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Sicherheit ist keine Last

  • Juli 10, 2025

Wir bauen sicher – oder gar nicht. Mit diesem Satz begrüßt das Unternehmen Mainka Bau in Lingen/Ems Besucher schon an der Eingangstür. Im Gespräch mit Geschäftsführer Dr. Andreas Mainka, der das Familienunternehmen in dritter Generation führt, wird sofort klar, dass dies nicht nur ein Slogan oder Motto ist: Diese Aussage ist das Fundament, auf dem alle Tätigkeiten innerhalb des Unternehmens aufbauen, denn „das setzen wir wörtlich so um.“

Arbeitssicherheit genießt auf den Baustellen und bei den Mitarbeitern von Mainka allerhöchste Priorität.

Bereits zwei Mal wurde das mittlerweile 130 Jahre alte Unternehmen mit dem deutschen Arbeitsschutzpreis ausgezeichnet. 2019 gab es erstmals den Preis für die Haltung des Unternehmens, „Arbeitssicherheit als Unternehmensphilosophie“ zu leben. In diesem Februar wurde Mainka Bau erneut ausgezeichnet, diesmal für das Projekt „Digitale Hilfsmittel zur nachhaltigen Verbesserung von Arbeits- und Umweltschutz“. Hierbei werden über die unternehmenseigene Mainka-App und QR-Technologie die Abläufe auf Baustellen vereinfacht und verbessert und somit auch die Sicherheit auf den Baustellen zu verbessern.

Weiterentwicklung der Philosophie
„Die App ist eigentlich eine konsequente Weiterentwicklung unserer Philosophie“, sagt Geschäftsführer Dr. Andreas Mainka. Immerhin kann die Mainka Bau – als Teil der Mainka Unternehmensgruppe, zu der unter anderem Transport-, Dienstleistungs- sowie auf einzelne Baubereiche spezialisierte Unternehmen gehören – mit acht Niederlassungen und über 1.250 Mitarbeitenden, von denen mehr als 900 auf Baustellen tätig sind, aktuell auf weit mehr als 1.000 Tage ohne meldepflichtigen Arbeitsunfall zurückblicken.

„Sicherheit ist für uns keine Last, sondern bot uns eine Möglichkeit, uns ein eigenes Profil zu geben“, erinnert sich Mainka an die Anfänge, als das Thema Arbeitssicherheit Ende der 1990er Jahre im Unternehmen aufkam. Mittlerweile ist „Sicherheit unser Mindset“, so Mainka, sprich: Es ist die Geisteshaltung im Unternehmen, eine Einstellung und Überzeugung, die alle Beschäftigten teilen. Das gilt nicht nur für die auf den Baustellen Beschäftigten, sondern auch für alle in den Büros. Besprechungsräume wurden „Helm“ oder „Gehörschutz“ betitelt, im Eingangsbereich genauso wie im Intranet ist jederzeit die wachsende Anzahl an Tagen ohne meldepflichtigen Unfall abzulesen.   

Der Unternehmenssitz in Lingen/Ems. // Fotos (2): Mainka

Meldung ist kein Makel
„Es muss am Bau niemand zu Schaden kommen“, ist Mainka überzeugt. Um dieses Ziel möglichst täglich fortzuführen, hat das Unternehmen eine sehr offen gelebte Fehlerkultur eingeführt. Das Melden von Beinahe-Unfällen ist dabei wesentliche Basis. „Das ist allerdings ein sehr dickes Brett, an dem wir tatsächlich seit 25 Jahren immer weiter bohren“, gesteht er. Denn letztlich ist es gar nicht so leicht, Mitarbeiter dahin zu bekommen, Fehler oder Missgeschicke einzugestehen, auch wenn letztlich nichts passiert ist. „Mitarbeiter müssen lernen und wissen, dass das Melden eines Beinahe-Unfalls kein Makel ist nach dem Motto: wie dusselig hat der Kollege sich angestellt“, sagt Mainka. „Wir kritisieren vielmehr die, die nicht melden und nicht jene, die einen solchen Beinahe-Unfall melden.“

Letztlich gehe es ja darum, aus genau diesen Vorfällen zu lernen, dass genauso solch eine Situation nicht wieder vorkommt. Insofern betrachtet man bei Mainka entsprechende Meldungen als etwas sehr Positives und Nützliches. Ihm selbst und den entsprechenden, für die Arbeitssicherheit im Unternehmen zuständigen Mitarbeiter kommt die Aufgabe zu, all diese Meldungen zu sichten und auszuwerten. Das waren allein in 2024 über 1300 Meldungen von allen Baustellen zusammen. „Wir sind der Meinung, dass unsere Mitarbeiter lieber eine Situation zu viel melden als eine Situation zu wenig“, betont Mainka, „denn wir wollen ja daraus lernen. Würden wir nur aus tatsächlichen Unfällen lernen, die ja zwangsweise gemeldet werden müssen, hätten wir seit über drei Jahren nichts mehr dazugelernt.“

Lilian Tschan (2. v. l.), Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, überreicht der Delegation des Bauunternehmens mit Dr. Andreas Mainka (knieend) den Deutschen Arbeitsschutzpreis. // Foto: DASP / J. Konrad Schmidt

App mit Arbeitsschutzpreis prämiert
Die Meldungen kommen über die in diesem Februar mit dem Arbeitsschutzpreis prämierte App. Dort gibt es sogenannte KVP-Karten, wobei KVP für kontinuierlichen Verbesserungsprozess steht. Diese App soll jeder Mitarbeiter nutzen, denn „bei uns ist einfach jeder für Sicherheit zuständig“, betont Mainka. Entsprechend kann und soll so jeder Mitarbeiter auch einen Beinahe-Unfall oder eine unsichere Situation melden. Wenn die App geöffnet wird, erkennt diese ganz genau, wer sie öffnet und wo die Person eingeteilt ist. „Die Beschreibung der Situation kann man dann ganz einfach im Baustellenbetrieb reinsprechen, das wird dann in Text umgewandelt und landet automatisch bei unserer SHE-Q-Abteilung.“

SHE-Q steht für safety, health, environment und quality, eine Abteilung, die sich schwerpunktmäßig um die Arbeitssicherheit in der Unternehmensgruppe kümmert. „Dazu zählt auch die Weiterentwicklung der Arbeits-
sicherheit“, wie Mainka betont. Die Abteilung sammelt die Meldungen und fasst besondere Fälle zusammen, die dann in den regelmäßig alle zwei Wochen stattfindenden Bauleiter-Sitzungen vorgestellt werden. „Da haben wir uns das Gute vom Kleinen erhalten“, schätzt Mainka die regelmäßigen Treffen mit den Bauleitern und den direkten Austausch, der schon zu Zeiten gepflegt wurde, als das Unternehmen nur etwas über 150 Mitarbeiter zählte.

Subunternehmer müssen Arbeitssicherheit beherzigen
In der Runde, die mit Bauleitern, Bereichsleitern und anderen Verantwortlichen rund 70 Personen umfasst, werden dann die wesentlichen KVP-Karten vorgestellt, also vor allem „die, aus denen man etwas lernen kann.“ Dabei werden auch persönliche Versäumnisse angesprochen, wenn beispielsweise der Baggerfahrer eines Nachunternehmers sein Arbeitsgerät verlässt und vergessen hat, den Helm aufzuziehen. Da wird dann geklärt, wie man dafür Sorge tragen kann, dass auch die Subunternehmer die Arbeitssicherheit sorgsamer beherzigen.

Grundsätzlich wird bei der Vorstellung der Karten „sehr genau darauf geachtet, dass niemand an den Pranger gestellt wird, sondern dass direkt der Fehlerursache auf den Grund gegangen wird.“ Eine häufige Ursache, hat Mainka aus der langjährigen Erfahrung heraus ein Schema erkannt, sind „plötzliche und nicht geplante Arbeiten, die irgendwie noch schnell fertig werden müssen.“ Da gilt es dann zu hinterfragen, ob in der Arbeitsvorbereitung irgendwelche Maßnahmen außer Acht gelassen wurden.

Lösungen für alle Baustellen
Eine daraufhin entwickelte Lösung gilt es dann natürlich so aufzubereiten, dass diese nicht nur an einer, sondern für alle Baustellen Nutzen bringt und entsprechend umgesetzt werden kann. „Da haben wir ein System entwickelt, dass wir aus den analysierten KVP-Karten einen Schulungsbaustein anhand eben eines konkreten Beispiels erstellen, der dann über die App aufzurufen ist.“ Durch den Bezug auf die eigenen Kollegen im Unternehmen, Fotos oder Videos rund um den Beinahe-Unfall, ist der Lerneffekt durch die persönliche Betroffenheit wesentlich besser als bei anonymisierten Daten und Figuren, ist Mainka überzeugt.

Mit Hilfe der QR-Codes wird die App zudem genutzt, um die tägliche Routine zu vereinfachen. Als Beispiel nennt Mainka den FI-Schalter im Baustromverteiler, dessen Funktionalität grundsätzlich auf Baustellen täglich zu prüfen ist. Mit dem Abscannen des am Schalter angebrachten QR-Codes wird diese Prüfung dann bestätigt. So hat Mainka eine gelungen Verbindung geschaffen zwischen dem, was draußen auf der Baustelle passiert und was die Regeln sind. Die QR-Codes werden aber auch als Reminder an möglichen Gefahrenstellen genutzt. „Da, wo auf einer Baustelle eine besondere Gefahr lauert, ist ein QR-Code angebracht. Mit dem Scannen weiß der Mitarbeiter, was er hier zu beachten hat“, schildert Mainka.

Dr. Andreas Mainka
… führt das Unternehmen in dritter Generation und hat die Arbeitssicherheit zur Unternehmensphilosophie erkoren.


Mit Hilfe der QR-Codes wird die App zudem genutzt, um die tägliche Routine zu vereinfachen. Als Beispiel nennt Mainka den FI-Schalter im Baustromverteiler, dessen Funktionalität grundsätzlich auf Baustellen täglich zu prüfen ist. Mit dem Abscannen des am Schalter angebrachten QR-Codes wird diese Prüfung dann bestätigt. So hat Mainka eine gelungen Verbindung geschaffen zwischen dem, was draußen auf der Baustelle passiert und was die Regeln sind. Die QR-Codes werden aber auch als Reminder an möglichen Gefahrenstellen genutzt. „Da, wo auf einer Baustelle eine besondere Gefahr lauert, ist ein QR-Code angebracht. Mit dem Scannen weiß der Mitarbeiter, was er hier zu beachten hat“, schildert Mainka.

Deutschlands sicherstes Bauunternehmen
Solch ein Code kann zum Beispiel an einem Gerüst angebracht sein, denn auch wenn es bereits abgenommen und freigegeben ist, könnte doch nach einem heftigen Regen ein Fuß unterspült sein. So wird der Mitarbeiter erinnert, zumindest eben eine kleine Kontrolle vorzunehmen. „Klar ist das auch eine Form von Kontrolle, aber uns geht es tatsächlich in erster Linie um schlanke Prozesse, um das Sammeln von Daten um uns zu verbessern und ganz besonders um das Melden“, betont Mainka, der seinen meist ebenso sicherheitsaffinen Kunden verspricht: „Wir können nicht garantieren, dass kein Unfall passiert, aber wir garantieren, dass wir alles tun, damit nichts passiert. Denn wir haben das Ziel, Deutschlands sicherstes Bauunternehmen zu sein.“

Dieses absolute fokussierte Sicherheitsdenken im Unternehmen kostet hier und da auch Zeit. Zeit, die zusätzliche Arbeitsschritte brauchen, Zeit, die für ein Plus an Kontrollen in Anspruch genommen wird. Doch die Auftraggeber sind laut Mainka bereit, ihren Obolus zur Sicherheit beizutragen. „Wir arbeiten überwiegend für Kunden, die auch keine Unfälle wollen. Schließlich sind wir mit dem Sicherheitsdenken nicht allein auf der Welt“, so Mainka. „Und in manch anderen Fällen haben wir auch eine Vorbildfunktion, die die Kunden dann auch zu schätzen wissen.“ Ausschließlich preisgetrieben wird jedenfalls nicht bei Mainka agiert. Dafür wird von der ersten Minute deutlich: Arbeitssicherheit ist hier keine lästige Pflichtaufgabe, Arbeitssicherheit ist eine Herzensangelegenheit.

Von Camillo F. Kluge

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