Auf der bereits fünften Ausgabe der Vertical Pro in der Messe Friedrichshafen präsentierten sich über 200 Unternehmen, darunter auch wieder einige wichtige für den Bereich Höhenarbeit. Eine wichtige Abrundung der Messe waren diverse Vorträge oder auch Podiumsgespräche mit Fachleuten der Branche.
Die Vertical Pro zeigte einmal mehr, wie vielfältig Sport und Arbeiten in der Vertikalen ist. 2.430 Fachbesucher aus den Branchen Seilzugangstechnik, Höhenarbeit und -rettung, Kletter- und Boulderhallen sowie Hoch- und Waldseilgärten nutzten die internationale Fachmesse, um sich über Lösungen, Trends und Best Practices auszutauschen. Im Vergleich zum Vorjahr (2024: 2.618) lag die Besucherzahl leicht niedriger, die Messe überzeugte jedoch erneut mit einem hochspezialisierten Fachpublikum aus 46 Ländern, das gezielt den praxisorientierten Austausch suchte.
Persönlicher Austausch von Bedeutung
Außerhalb des rein sportiven Bereichs unterstrichen Player aus Industrie, Rettung und Seilzugang die Bedeutung des persönlichen Austauschs auf der Vertical Pro. Mit zahlreichen Live-Demos, Vorträgen und Workshops bot das begleitende Rahmenprogramm Einblicke in aktuelle Entwicklungen und förderte den Dialog. Christian Kruk, Technischer Repräsentant für den Pro-Bereich Europa von DMM hebt hervor: „Sehr positiv ist mir das begleitende Programm aufgefallen, das fachlich breit aufgestellt war und viele Einblicke geboten hat. Besonders stark fand ich dabei den Schwerpunkt Women at Height, der dem Thema Frauen in der Höhenarbeit die Sichtbarkeit gibt, die es braucht.“
Kruk stellte aber auch fest, dass „im Pro-Bereich es in diesem Jahr etwas ruhiger war, was auch daran lag, dass Parallelveranstaltungen viele Ressourcen gebunden haben. Die neue Hallenachse hat dafür gesorgt, dass wir deutlich mehr Laufkundschaft und stärkere Synergien zwischen den Bereichen wahrgenommen haben. Für uns steht fest, dass wir im nächsten Jahr wiederkommen.“
Wertvolle Eindrücke und Erfahrungen
Damit sprach er die neue Hallenaufteilung an, denn dieses Mal lagen die drei Messehallen nebeneinander, die mit dem Professional Bereich in der Mitte. Dort war auch Vulkanforscherin und Expeditionsfotografin Ulla Lohmann zu finden, die nicht nur einige Bilder ausstellte und ihre Bücher präsentierte, sondern auch in zwei Vorträgen die Zuhörer auf spannende Reisen mitnahm. Mit einem Vortrag sprach sie auch konkret Frauen an. Da zeigte sie auf, dass mit etwas organisatorischem Geschick und festem Willen auch ein Kind kein Hindernis ist, um selbst kühnste Vorhaben umzusetzen. „Für mich ist die Vertical Pro die erste Messe überhaupt und ich konnte viele wertvolle Eindrücke und Erfahrungen sammeln“, sagte sie. „Man merkt, dass hier ein hochqualitatives Publikum unterwegs ist, das sich intensiv mit meinen Themen auseinandergesetzt hat.“ Auch das Format „Women at height“ findet sie sehr wichtig, das habe auf jeden Fall noch mehr Aufmerksamkeit verdient. Zudem stellte Ulla Lohmann fest, dass „unter all den Vertikal-Profis ein familiäres Verhältnis herrscht. Beim Austausch mit Gleichgesinnten konnte ich zudem viel dazulernen.“
Zu einem Aussteller der ersten Stunde auf der Vertical Pro zählt Edelrid. Der Allgäuer Hersteller bedient mit seinen Produkten sowohl den Sport als auch den Professional Bereich. Mitgebracht hatte Edelrid einen gemischten Auszug aus seinem Sortiment, natürlich angefangen mit dem brandneuen Schutz für Seile Protector oder den neuen Flex-Gurten. „Ein kleiner Schwerpunkt liegt schon auf dem Bereich Adventure“, sagte Carina Dietrich aus dem Marketing des Unternehmens. Entsprechend bekam auch das modische Label Red Chili reichlich Raum. „Wir sprechen mit unseren Produkten beide Welten an“, ist die Messe prädestiniert für das Unternehmen aus Isny.
Gute Resonanz
Ähnliches gilt auch für Petzl, auch hier werden beide Welten bedient. Einen besonderen Fokus legte das Unternehmen auf die neuen Expert-Taschen in 45- und 55-Liter-Ausführung. „Die kommen sehr gut an, auch wegen der vielen Innentaschen“, sagte Ronja Brinkmann, Sales Representive bei Petzl. Des Weiteren zeigte das Unternehmen die neuen Gurte Volt light und Volt Offshore, beides „sehr flexible Auffang- und Haltegurte“, so Ronja Brinkmann. Auch das kleine und besonders leichte mitlaufende Auffanggerät Asap wurde präsentiert. „Alle, die es nicht geschafft haben, uns auf der A+A zu besuchen, kommen jetzt hier her“, sagte Ronja Brinkmann.
„Hier kommen so viele verschiedene Menschen aus so vielen verschiedenen Bereichen her, die aber alle das gleiche Ziel haben, nämlich sicher zu klettern“, analysierte Buffy Gollhardt, Sales Manager bei Beal. Somit registrierte der Hersteller, der neben seiner neuen Taschenserie Mad Max in 35-, 45- und 60-Liter-Ausführung mit bis zu 100 kg Traglast auch seine Swanie-Line in den Fokus rückte. „Dieses neue technische Positionierungsgerät kommt sehr gut in der Branche an“, so Gollhardt. Während diese Produkte sowohl den Sport als auch den alpinen Bereich ansprechen, sprachen die neuen Auffang- und Haltegurte, die in neuer Farbpracht glänzen, mehr die professionellen Kletterer an. „Ich hätte mir etwas mehr Zuspruch aus Industrie und Rettung gewünscht, aber grundsätzlich war die Resonanz gut“, bilanzierte Gollhardt.
Bei DMM wurde die „komplette Range“, wie es Business Developement Manager Alex Smith (Foto oben) formulierte, präsentiert. Dazu gehörten einige Neuheiten wie die aktuellen Gurte für die Baumpflege, neue Positionierungsgeräte oder auch der kleine, nur 22 Gramm leichte Karabiner. „Er ist trotz seines leichten Gewichts mit 20 kN belastbar“ betonte Smith.
Den Fokus auf die Rettung hatte man bei Safe Tripp gelegt. „Wir stellen unseren knotenfreien Gerätesatz ,sichern und retten´ in den Blickpunkt“, so Trainer Sven Peters. „Der wurde mit dem Institut der Feuerwehr in Nordrhein-Westfalen entwickelt und ist speziell für Feuerwehren und Hilfsorganisationen gedacht.“ Damit bietet das Unternehmen eine Alternative zu den üblichen Gerätesätzen im Bereich Absturzsicherung. „Die Komponenten sind alle so angelegt, dass eine Fehlanwendung eigentlich unmöglich ist“, beschreibt Peters das Set.
Ausbildung zu gewinnen
Zum zweiten Mal präsentierte sich der Fachverband für Spezialbausanierung (FSBS) auf der Messe. Der erste Vorsitzende Volker Grabisch zeigte sich mit dem Zuspruch sehr zufrieden. „Wir haben hier mehrere Stationen aufgebaut“, erklärte er. „Da können sich die Leute selber ausprobieren.“ Als besonderes Extra konnten Interessierte eine Ausbildung zum Industriekletterer gewinnen. Allerdings betonte Grabisch, dass die Interessierten da schon einiges an Vorkenntnissen haben mussten und von den anwesenden Verbandsmitgliedern ganz genau hingeschaut wurde, wer da am Ende die Ausbildung gewinnt. „Dabei halten wir selbstverständlich den Aspekt der Sicherheit besonders hoch“, erklärte er. Der Sieger kann sich dann über einen Ausbildungsplatz in einem möglichst wohnortnahen Betrieb freuen. Auch diese Aktion ist ein Schritt dahin, „den Wildwuchs in der Branche einzudämmen“, sagt Grabisch, denn „viele bieten im Bereich der Höhenarbeit ihre Dienste an, ohne geschult zu sein.“ Da hat sich der SFBS zum Ziel gesetzt, energisch gegen vorzugehen und will da auch einen engeren Kontakt zum FISAT suchen, um gemeinsame Strategien zu entwickeln.
Erstmals stellte sich die Hilfsorganisation International Search and Rescue (ISAR) dort vor. „Das ist hier eine gute Plattform, um unsere Hilfsorganisation, die allein dank Spenden helfen kann, aufmerksam zu machen“, erläuterte Gerd Federer, Leiter der Höhenrettung bei ISAR Germany. Neben Aufklärungsarbeit über die Organisation und ihre Tätigkeiten zeigten Federer und seine Mitstreiter auch in diversen Vorführungen, teilweise mit Rettungshunden, was sie am Seil leisten können. „Uns freut sehr, dass unsere Vorführungen so gut besucht wurden. Wir können uns eine Teilnahme im nächsten Jahr sehr gut vorstellen und wünschen uns noch mehr Live-Demos. Diese haben für noch mehr Aufkommen an unserem Stand gesorgt“, sagte Federer. Und über eine Spendenzusage vor Ort durfte er sich auch freuen: Beal sagte ihm zu, einige Gurte, die nicht dem neuen Farbkonzept des Unternehmens entsprechen, der Hilfsorganisation zur Verfügung zu stellen.