Mit dem Solarboom in Deutschland steigt auch die Zahl der Arbeiten auf Dächern und damit das Risiko von Absturzunfällen. Diese machen seit Jahren einen großen Anteil schwerer und tödlicher Arbeitsunfälle in der Baubranche aus – auch im Jahr 2025. Deshalb starten der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) und die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) die gemeinsame Initiative „Sicher auf dem Dach“.
„Absturzunfälle passieren häufig, wenn auf Dächern ohne ausreichende Sicherung gearbeitet wird“, sagt Michael Kirsch, Hauptgeschäftsführer der BG BAU. „Einen Unfallschwerpunkt sehen wir bei Dachbereichen mit nicht durchbruchsicheren Materialien wie Wellasbestplatten, Lichtbändern oder Lichtplatten. Wer dort die Tragfähigkeit falsch einschätzt und ungesichert arbeitet, bringt sich in Lebensgefahr.“
Für die ersten zehn Monate 2025 wurden der BG BAU nach vorläufigen Zahlen 6.178 Absturzunfälle gemeldet, 26 davon endeten tödlich. Mehr als ein Drittel der tödlichen Absturzunfälle ereigneten sich vom Dach. Fast alle erfolgten nach innen, also als Durchstürze durch nicht durchtrittsichere Dachbereiche. Drei Unfälle standen im Zusammenhang mit Arbeiten an Photovoltaikanlagen, etwa bei deren Montage oder Reinigung. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2024 verzeichnete die BG BAU insgesamt 7.231 Absturzunfälle, 26 mit tödlichem Ausgang.
Michael Kirsch
… ist der Hauptgeschäftsführer der BG BAU.
// Foto: BG BAU
Umfassende Fachkenntnisse erforderlich
Die Arbeit in der Höhe erfordert umfassende Fachkenntnisse, wie sie beispielsweise Dachdecker in ihrer Ausbildung erwerben – sei es zu Themen wie Statik, Dachaufbau und Arbeitssicherheit. Daher ist es wichtig, dass gewerbliche wie private Auftraggeber darauf achten, dass Arbeiten auf Dächern fachgerecht ausgeführt werden. So lassen sich Schäden für Beschäftigte, aber auch Bewohner oder Passanten vermeiden.
„Dachdeckerinnen und Dachdecker arbeiten zumeist in der Höhe – aber sie wissen, was sie tun. Mit den möglichen Risiken gehen sie professionell um und schützen sich umfassend. Denn Unfälle bei Dacharbeiten müssen nicht sein“, sagt ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx. „Insofern sehen wir mit Sorge, dass mit dem PV-Boom zunehmend auch Nicht-Fachleute auf Dächer steigen, ohne sich der Gefahren wirklich bewusst zu sein.“
Unter dem Motto „Sicher auf dem Dach“ starten ZVDH und BG BAU nun eine gemeinsame Initiative, um für Absturzrisiken zu sensibilisieren und über geeignete Schutzmaßnahmen aufzuklären. „Als Chef eines Dachdeckerunternehmens weiß ich, wie anspruchsvoll die Arbeit auf dem Dach ist“, sagt André Büschkes, Dachdeckermeister und Mitglied im Vorstand der BG BAU. „Unfälle lassen sich vermeiden, wenn man so arbeitet, wie Profis es tun. Die Initiative ‚Sicher auf dem Dach‘ ist genau der richtige Weg: Gemeinsam entwickeln Verband und Berufsgenossenschaft Maßnahmen, die in der Praxis wirklich funktionieren – damit alle am Ende ihres Arbeitstages sicher wieder nach Hause kommen.“
Ulrich Marx
… ist der Hauptgeschäftsführer des ZVDH.
// Foto: ZVDH
Kurze Beiträge und Videos
Die Initiative „Sicher auf dem Dach“ kombiniert eine Sensibilisierungskampagne in den sozialen Medien mit neuen Sicherheitsmaterialien und Arbeitshilfen. In kurzen Beiträgen und Videos werden beispielsweise typische Gefahrensituationen auf Dächern aufgegriffen und sichere Arbeitsweisen gezeigt – praxisnah und leicht verständlich. Ziel ist es, Betriebe und Beschäftigte gleichermaßen für sicheres Arbeiten auf dem Dach zu gewinnen und sie mit praxisnahen Unterlagen bei der Umsetzung von Arbeitsschutzmaßnahmen zu unterstützen.
Zudem hat die BG BAU einen Unterweisungskalender speziell für das Dachdeckerhandwerk entwickelt. Dieser führt mit zwölf Sicherheitsthemen durch das Jahr 2026 und kann gezielt für die Unterweisung der Beschäftigten genutzt werden. Wird der Kalender gut sichtbar im Betrieb ausgehängt, erinnert er bei jedem Vorbeigehen an zentrale Sicherheitsaspekte, die bei Arbeiten auf Dächern wichtig sind.