KI & New Work – Das A+A Special
Servus, ich bin Norman Checker, der Experte für Normen und Richtlinien. Heute gebe ich für Arbeitsschutz – aber sicher! Tipps rund um die operative Arbeitsweltgestaltung mit KI – gemäß dem A+A Motto: „Der Mensch zählt.“
Arbeitsschutz wird digitaler, vernetzter und dynamischer. Normen und Standards bleiben dabei unverzichtbar. Sie geben Unternehmen Orientierung, wie neue (künstliche) Technologien verantwortungsvoll eingesetzt werden können, ohne das Schutzziel aus den Augen zu verlieren: den Menschen.
Wie lassen sich technologische Innovationen sicher und normgerecht gestalten?
Auf der A+A 2025 stellen über 2000 Aussteller unter dem Leitmotto „Der Mensch zählt“ ihre Neuerungen vor – beispielsweise zu smarter Schutzbekleidung, Exoskeletten oder KI-gestützten Gefährdungsbeurteilungen. Moderne Arbeitsschutzsysteme werden immer stärker datenbasiert. Die Normung zieht nach, um die technischen Möglichkeiten mit den rechtlichen Anforderungen zu verzahnen. Hier heißt es, auf dem Laufenden zu bleiben.
Sicherheit digital denken
Die internationale Managementnorm für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit ISO 45001 (DIN EN ISO 45001:2023-12) bleibt der zentrale Rahmen. Sie verlangt, Risiken systematisch zu erkennen und Chancen zu nutzen – auch bei neuen Technologien. Ergänzend gewinnen Normen zu Ergonomie und Mensch-Maschine-Interaktion an Bedeutung, etwa ISO 9241 (Ergonomie der Mensch-System-Interaktion) oder ISO 10075 (psychische Arbeitsbelastung). Sie unterstützen Unternehmen dabei, digitale Arbeitsumgebungen so zu gestalten, dass physische und mentale Belastungen reduziert werden.
Neue Technik?
Erst prüfen, dann nutzen.
Vor dem Einsatz digitaler oder KI-basierter Systeme immer klären, welche Normen greifen – etwa ISO 45001 (Managementsystem), ISO 9241 (Ergonomie) oder ISO/IEC 24028 (KI-Vertrauenswürdigkeit). Auch smarte PSA oder KI-Systeme müssen in die reguläre Gefährdungsbeurteilung einbezogen werden –
dokumentiert, nachvollziehbar, nach Norm.
KI-Assistenten im Arbeitsschutz
KI-gestützte Assistenzsysteme können Gefährdungen schneller erkennen oder Präventionsmaßnahmen vorschlagen. Gleichzeitig stellen sie neue Anforderungen an Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Datenschutz. Die Kommission Arbeitsschutz und Normung (KAN) hat hierzu Eckpunkte formuliert: Arbeitsschutzrelevante KI-Systeme müssen
sicher, erklärbar und menschengerecht gestaltet sein. International greifen Normungsprojekte wie ISO/IEC 24028 (Vertrauenswürdigkeit von KI) oder ISO/IEC 25000-Reihe (Softwarequalität) diese Themen auf. Für Arbeitsschutzfachleute bedeutet das: Technikkenntnis und Normenwissen gehören zusammen.
Nachhaltigkeit und smarte PSA
Auch die persönliche Schutzausrüstung verändert sich (siehe auch Norman Checker in der Oktober-Ausgabe). Intelligente Textilien erfassen Temperatur, Belastung oder Bewegung. Neben Produktsicherheitsnormen (z. B. ISO 13857 – Sicherheitsabstände an Maschinen) treten neue Anforderungen an Material, Nachhaltigkeit und Datenverarbeitung. Hersteller und Anwender müssen hier auf harmonisierte Normen achten, etwa im Rahmen der EU-Verordnung über persönliche Schutzausrüstung (EU) 2016/425.
NORMANS 5 PRAXIS-TIPPS FÜR CHECKER:
-
Zuständigkeiten festlegen:
Verantwortlichkeiten für KI und Digitalisierung klar definieren. Ein KI-Beauftragter ist nicht gesetzlich verpflichtend, kann aber sinnvoll sein – meist in Abstimmung zwischen Fachkraft für Arbeitssicherheit, IT und Datenschutz. -
Fachstellen einbinden & Beratung nutzen:
Bei Fragen zu KI, Normung oder Arbeitsschutz unterstützen und beraten BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) – Schwerpunkt „Digitale Arbeit“, KAN (Kommission Arbeitsschutz und Normung) und DGUV mit Leitfäden, Positionen und Schulungsangeboten. Gefährdungsbeurteilung digital erweitern:
Digitale Systeme und smarte PSA in die Gefährdungsbeurteilung integrieren; relevante Normen: ISO 45001 (z. B. PDCA-Zyklus „Plan-Do-Check-Act“), DGUV-Regel 1 und 2.Nachhaltigkeit prüfen:
Smarte Produkte auf Sicherheit, Ressourcenschonung und Reparaturfähigkeit bewerten. Orientierung bieten ISO 14001 und ESG-Kriterien.Beschäftigte frühzeitig einbeziehen:
Frühzeitige Schulung und Akzeptanzförderung sichern den Erfolg neuer Technologien. Ergonomie- und Belastungsnormen wie ISO 9241 und ISO 10075 berücksichtigen.
>> Quellen & Links für mehr Informationen:
Norman checkt das für Sie!