Männer- oder Frauenkollektion? Hauptsache passt!
Servus, ich bin Norman Checker, der Normen- und Richtlinien-Checker. Heute geht es darum, wie Bau, Handwerk und Industrie mehr Frauen als Mitarbeitende gewinnen und welche Rolle der Arbeitsschutz dabei spielt.
Abgesehen von wenigen biologisch und anatomisch begründeten Vorschriften (z. B. Mutterschutz oder Regelungen zur manuellen Lastenhandhabung) gilt das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) für Frauen und Männer gleichermaßen. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) untersagt zudem jede Benachteiligung aufgrund des Geschlechts bei der Ausgestaltung von Arbeitsbedingungen. Arbeitsschutzvorschriften verlangen daher, dass Persönliche Schutzausrüstung (PSA) individuell passt und ergonomischen Anforderungen entspricht.
Ein Sicherheitsschuh ist ein Sicherheitsschuh? Nicht ganz.
Lange Zeit wurden Sicherheitsschuhmodelle vor allem für männliche Fußformen entwickelt. Für Frauen bedeutete das häufig: zu breit, zu schwer oder schlicht unbequem. Und nicht nur das: Schlecht sitzende Sicherheitsschuhe können die Schutzwirkung beeinträchtigen und langfristig zu Beschwerden an Füßen, Knien oder Rücken führen.
Arbeitsschutzvorschriften wie die PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV) rücken den Fokus deshalb konsequent und geschlechtsneutral auf Ergonomie und Passform. Ergänzend geben folgende DGUV-Regeln wichtige Hinweise zur Auswahl geeigneter Schutzausrüstung:
- DGUV Regel 112-189 „Benutzung von Schutzkleidung“
- DGUV Regel 112-191 „Benutzung von Fuß- und Knieschutz“
- DGUV Regel 112-198 „Benutzung von PSA gegen Absturz“
Die erfreuliche Folge: Der Markt bietet heute deutlich mehr Sicherheitsschuhe, Arbeitskleidung und Absturzsicherungen, die unterschiedliche Körperformen berücksichtigt.
Frauenanteil steigt – aber langsam
Während Frauen insgesamt knapp die Hälfte aller Erwerbstätigen in Deutschland stellen, liegt ihr Anteil im Bauhauptgewerbe lediglich im niedrigen zweistelligen Bereich. In klassischen Gewerken wie Maurerhandwerk oder Betonbau bewegen sich die Anteile weiterhin nur zwischen einem und drei Prozent. Dennoch: Immer mehr junge Frauen entscheiden sich für technische und handwerkliche Berufe, absolvieren Meisterprüfungen oder übernehmen Führungsverantwortung in Betrieben.
Technik statt Muskelkraft
Sind Tätigkeiten auf Baustellen für Frauen körperlich zu belastend? Immer weniger. Arbeitsplätze haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark verändert. Die Lastenhandhabungsverordnung (LasthandhabV) verpflichtet Arbeitgeber, manuelle Belastungen so weit wie möglich zu reduzieren. Elektrisch unterstützte Hebehilfen, Vakuumheber, Materiallifte und Transportwagen gehören vielerorts zur Arbeitsplatzausstattung. Davon profitieren nicht nur Frauen, sondern alle Beschäftigten. Schließlich sind Wirbelsäule und Gelenke geschlechtsunabhängig verschleißanfällig.
PSA muss passen
Auch wenn die weibliche Zielgruppe (noch) überschaubar ist, haben die PSA-Hersteller ihre Kollektionen erweitert und bieten heute unter anderem:
- Workwear in taillierten Damenschnitten
- Handschuhe für kleinere Handgrößen
- Schutzbrillen und Helme für schmalere Kopfformen
- Auffanggurte mit angepassten Gurtverläufen im Rahmen der PSAgA
Die Vorschriften verlangen keine „PSA für Frauen“, sondern passende PSA für jede beschäftigte Person.
„Schon gewusst?“
Frauen arbeiten überdurchschnittlich häufig in Handwerksbereichen mit Fachkräfteengpässen und tragen damit zunehmend zur Entlastung des Arbeitsmarktes bei.
Was Frauen im Handwerk wichtig ist
Befragungen unter Beschäftigten zeigen regelmäßig, dass folgende Faktoren die Attraktivität von Bau- und Handwerksberufen für Frauen erhöhen:
- respektvoller Umgang im Team
- gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben
- moderne und sichere Arbeitsmittel
- flexible Entwicklungsmöglichkeiten
Der Arbeitsschutz kann ein wichtiger unterstützender Faktor sein. Denn wer zeigt, dass Sicherheit, Ergonomie und Gesundheit ernst genommen werden, positioniert sich als attraktiver Arbeitgeber.
Frauen im Handwerk – Zahlen, die überraschen
- Rund jede fünfte abgelegte Meisterprüfung im Handwerk wird von einer Frau absolviert.
- Bundesweit wird etwa jeder vierte Handwerksbetrieb von einer Frau geführt oder mitgeführt. Bei ca. 75 Prozent dieser Unternehmen handelt es sich um Familienbetriebe mit gemeinsamer Leitung.
- Besonders beliebt sind Berufe im Ausbauhandwerk, Tischlerhandwerk, Maler- und Lackiererhandwerk sowie technische Berufe mit hohem Gestaltungsanteil.
NORMANS 5 PRAXIS-TIPPS FÜR CHECKER:
- PSA immer individuell auswählen – nicht nach dem Motto „passt schon“.
- Sicherheitsschuhe vor dem Kauf ausgiebig testen und auf Passform achten.
- Ergonomische Hilfen konsequent nutzen – sie schützen Rücken und Gelenke.
- Beschäftigte aktiv nach Verbesserungswünschen bei Arbeitsmitteln und PSA fragen.
- Fairer, respektvoller und wertschätzender Umgang miteinander schadet nie.
>> Quellen & Links für mehr Informationen:
Norman checkt das für Sie!