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Norman Checker
Schutzhandschuhe

  • August 30, 2025
Darauf kommt es an bei Schutzhandschuhen

Servus, ich bin Norman Checker, der Experte für Normen und Richtlinien. Heute nehme ich für Arbeitsschutz – aber sicher!  verschiedene Schutzhandschuhe in die Hand und erkläre, worauf es sicherheitstechnisch ankommt.

// Foto: SZwei Verlag

Ob auf der Baustelle, in der Werkstatt oder im Labor: Schutzhandschuhe gehören zur Persönlichen Schutzausrüstung in fast jedem Berufsbild. Je nach Tätigkeit und Gefährdung unterscheiden sich die Anforderungen stark – von robusten Handschuhen am Bau bis hin zu hochsensiblen Modellen für Feinarbeiten in der Elektronik. Normen wie
DIN EN ISO 21420, EN 388 oder die GefStoffV sind die Grundlage für die anschließend sorgfältige Auswahl anhand der konkreten Tätigkeit.

Jeder hat seinen Favoriten – und das hat Gründe
In vielen Gewerken gibt es eine Art „Lieblingshandschuh“, der sich in der Praxis bewährt hat. Zimmerleute greifen oft zu griffigen Handschuhen mit gutem Schutz gegen Splitter und scharfe Kanten, Maurer bevorzugen abriebfeste Modelle, die auch bei feuchten Materialien nicht durchweichen. Elektriker setzen auf dünnere, gut isolierte Handschuhe mit hoher Taktilität fürs Fingerspitzengefühl. Diese individuellen Vorlieben sind oft das Ergebnis praktischer Erfahrung – sie ersetzen aber nicht die Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung und die Einhaltung normativer Anforderungen.

Normative Basis: DIN EN ISO 21420
Die DIN EN ISO 21420 regelt die allgemeinen Anforderungen für Schutzhandschuhe – darunter Passform, Beweglichkeit, Unbedenklichkeit der Materialien und Kennzeichnung. Diese Norm ist Grundvoraussetzung für alle weiteren Schutzfunktionen und muss von jedem PSA-Handschuh erfüllt sein.

Wenn es rau wird: EN 388 für mechanische Risiken
Bei Tätigkeiten mit Schnitt-, Abrieb- oder Stoßgefahr (z. B. auf dem Bau oder bei Metallarbeiten) greift die EN 388. Sie klassifiziert Schutzhandschuhe anhand von Zahlen- und Buchstabencodes, die z. B. Schnittfestigkeit, Weiterreißfestigkeit oder Schlagfestigkeit angeben. Für präzise Arbeiten sind oft Modelle mit geringerer Schutzklasse, aber höherer Beweglichkeit gefragt – der richtige Kompromiss ist gefragt.

DGUV Regel 112-195: Praxisgerecht und verpflichtend
Die DGUV-Regel 112-195 bietet konkrete Hilfestellung bei Auswahl, Einsatz und Pflege von Schutzhandschuhen wie beispielsweise:

  • Handschuhe müssen zur Tätigkeit und zum Träger passen.
  • Regelmäßige Unterweisung der Mitarbeitenden ist Pflicht.
  • Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation sind erforderlich.
  • Hautfreundlichkeit, Tragedauer und Wechselintervalle müssen berücksichtigt werden.

CE-Zeichen ist Pflicht 

Jeder Arbeitsschutzhandschuh muss CE-gekennzeichnet sein. Nur dann gilt er als Persönliche Schutzausrüstung und darf als solche eingesetzt werden.

Wechselintervalle im Auge behalten, insbesondere bei Chemikalienkontakt. Regelmäßiger Tausch ist Pflicht.

Chemikalienschutz nach GefStoffV
Arbeiten mit Gefahrstoffen – etwa in Lackierbetrieben, im Labor oder bei Reinigungsarbeiten – unterliegen der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV). Sie verlangt, dass Handschuhe stoffspezifisch ausgewählt werden. Grundlage sind z. B. die Sicherheitsdatenblätter und Permeationstests (Durchlässigkeitsprüfung) gemäß EN 374. Die Auswahl ist komplex. Bei Unsicherheit sollte stets eine Fachkraft für Arbeitssicherheit einbezogen werden.

Präzision gefragt: ESD und Feinarbeit
Bei elektronischen Arbeiten kann bereits eine kleine elektrostatische Entladung (ESD) Bauteile zerstören. Spezielle ESD-Handschuhe verhindern das. Sie müssen ableitfähig sein und gleichzeitig hohe Taktilität bieten – ein Spagat, der nur mit geprüften Materialien gelingt. Auch bei Montage- und Kontrollarbeiten in der Industrie sind filigrane Handschuhe gefragt, die alle Normen erfüllen und gleichzeitig präzises Arbeiten ermöglichen.

Hautfreundlich: Wichtig für Allergiker
Neue Entwicklungen sorgen dafür, dass Handschuhe heute leichter, flexibler und umweltfreundlicher sind. Es gibt zunehmend hypoallergene Modelle, die z. B. auf Latex oder bestimmte Beschichtungen verzichten – ein Gewinn für Allergiker. Ebenso gewinnen recycelte oder biobasierte Materialien an Bedeutung, ohne dass Schutzleistung oder Normkonformität leiden. Auch antimikrobielle Ausrüstungen oder smarte Sensorhandschuhe sind in der Entwicklung – etwa für Temperatur- oder Chemikalienmessung in Echtzeit.

NORMANS 5 PRAXIS-TIPPS FÜR CHECKER:

  1. Tätigkeit analysieren: Welche Gefährdungen bestehen (mechanisch, chemisch, elektrisch)?

  2. Normen prüfen: Entspricht der Handschuh den geltenden Vorschriften (z. B. EN 388, EN 374)?

  3. Passform testen: Handschuhe müssen gut sitzen – weder zu eng noch zu locker.

  4. Einsatzdauer beachten: Für längeres Tragen sollten atmungsaktive Modelle bevorzugt und das Wechselintervall im Auge behalten werden.

  5. Experten fragen: Bei Unsicherheit immer Sicherheitsbeauftragte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit oder PSA-Fachleute einbinden.

>> Quellen & Links für mehr Informationen:

  • www.beuth.de

  • www.baua.de

  • www.dguv.de

  • www.bgetem.de

  • www.eur-lex.europa.eu

  • www.bgbau.de

Norman checkt das für Sie!

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