• Berufs- und Arbeitskleidung, PSA, UV-Schutz

Arbeitskleidung wird zum zentralen Schutzfaktor

  • April 30, 2026

Mit der im August 2025 veröffentlichten neuen Arbeitsstättenregel ASR A5.1 und der „Empfehlungen zur Beurteilung der Gefährdungen durch Hitze an Arbeitsplätzen im Freien und in nicht allseits umschlossenen Arbeitsstätten“ des Ausschusses für Arbeitsstätten (ASTA) rückt der Schutz vor Hitze und UV-Strahlung stärker in den Fokus des Arbeitsschutzes. Wie Arbeitskleidung zum zentralen Schutzfaktor werden kann, erläutert Joachim Geyer, Key Account Manager bei der Paul H. Kübler.

Mit ihren Ventilationseinsätzen im Kniekehlen-, Schritt- und inneren Oberschenkel-Bereich ermöglicht die Sommerhose aus der Warnschutzkollektion einen effektiven Temperaturausgleich. // Fotos (3): Kübler

Technische oder organisatorische Maßnahmen sind oftmals nur begrenzt umsetzbar, entsprechend spielt Arbeitskleidung eine zunehmend größere Rolle. Die Anpassung der Konstruktion der Kleidung und der Einsatz neuer Gewebe sind wichtige Stellschrauben, um die Gefahren durch Hitze zu minimieren. Während die Anforderungen an die Innenraumtemperatur in der ASR A3.5 klar beschrieben sind, orientiert sich die neue ASR A5.1 an realen Klimabedingungen und fordert die Berücksichtigung von Außentemperatur, direkter Sonneneinstrahlung, Luftfeuchtigkeit, Wind und der Tätigkeit selbst (z. B. körperliche Anstrengung).

Außerdem beinhalten die Empfehlungen ein Maßnahmenpaket, das sich wie folgt zusammensetzt:

  • Technische Maßnahmen: Beschattung (z. B. durch Überdachungen), Belüftung, Wasserkühlung.
  • Organisatorische Maßnahmen: Flexible Arbeitszeiten (früherer Start), längere Pausen, Trinkwasser bereitstellen,
    Tätigkeit verlagern.
  • Personenbezogene Maßnahmen: Geeignete Arbeitskleidung, Sonnencreme, Sonnenschutz (Hüte, Brillen).

Ermittlung konkreter Richtwerte schwierig
Angesichts des subjektiven Hitzeempfindens und der vielen Einflussfaktoren ist die Ermittlung von konkreten Richtwerten für die Praxis schwierig – weil beispielsweise ein fixer Temperaturwert im April anders zu bewerten ist als im Juni. Anders als beim UV-Schutz existieren für Hitzebelastungen auch noch keine konkreten Grenzwerte für Textilien. Mit der Evaluierung von Richtwerten ist die Bundesanstalt für Arbeitsschutz betraut. Aktuell besteht noch Forschungsbedarf und es bedarf Rückmeldungen aus der Praxis vor allem zu den in der Empfehlung fixierten Temperaturzuschlägen.

Viele Arbeitgeber stehen derzeit vor der Frage, wie sie den Zielkonflikt zwischen Schutzbedarf und thermischem Komfort lösen können. Einerseits darf die Kleidung den Körper nicht zusätzlich aufheizen, andererseits muss sie aber robust, funktional und im Falle von PSA normgerecht sein.

Leicht, robust und atmungsaktiv
Für Tätigkeiten bei hohen Temperaturen empfehlen sich leichte, funktionelle Polyester- oder Polyamid-Mischgewebe mit schnelltrocknenden und feuchtigkeitsleitenden Eigenschaften. Sie kombinieren Strapazierfähigkeit mit hoher Atmungsaktivität. Baumwollanteile bieten zwar ein angenehmes Tragegefühl, bleiben aber länger feucht und können so zu zusätzlicher Wärmebelastung führen.

Käufer und Sicherheitsfachkräfte können die Hitzetauglichkeit von Kleidung anhand folgender Merkmale einschätzen:

  • Materialgewicht (g/qm): je leichter, desto geringer die Wärmespeicherung.
  • Rct-Wert (thermischer Widerstand, Wärmedurchgangswiderstand), alternativ der Clo-Wert (Wärmedämmung).
  • Ret-/MVTR-Werte (Wasserdampfdurchgang): je niedriger der Ret, desto höher die Atmungsaktivität.
  • Luftdurchlässigkeit und Gewebestruktur.
  • Konstruktion: Ventilationszonen, Mesh-Einsätze oder luftoptimierte Schnitte.

Noch wichtiger als das Gewebe ist häufig die Konstruktion des Kleidungsstücks. Ventilationsöffnungen an Unterarmen und Beinen, Mesh-Einsätze und ergonomisch platzierte Luftkanäle verbessern die Konvektion deutlich. Der thermische Komfort der Arbeitskleidung hat für Kübler als Hersteller seit Jahren hohe Priorität. Ein Beispiel dafür ist die Sommerhose aus der Warnschutzkollektion Kübler Reflectiq, die in engem Austausch mit Kunden aus der Abfallwirtschaft bereits vor Jahren entwickelt wurde. Wie die Sommerhose der Workwear-Linie Kübler Activiq ist sie aus leichtem Gewebe gefertigt und mit Ventilationseinsätzen im Kniekehlen-, Schritt- und inneren Oberschenkel-Bereich ausgestattet. Diese gewährleisten einen optimalen Temperaturausgleich.

Joachim Geyer

… ist Key Account Manager bei Paul H. Kübler Bekleidungswerk.


UV-Schutz gewinnt weiter an Bedeutung
Auch das Thema UV-Schutz gewinnt weiter an Bedeutung. Die ASR A5.1 knüpft an bestehende Anforderungen der ArbStättV und berücksichtigt künftig verstärkt den UV-Index als Basis für Schutzmaßnahmen.

UV-zertifizierte Kleidung kann so Teil der Gefährdungsbeurteilung werden. Aktuell bringt Kübler seine neue Shirt-Kollektion auf den Markt. Dank integriertem UV-Schutz gemäß EN 13758-2:2003 + A1:2006, 40+ schützt sie die Haut bei Arbeiten im Freien optimal.

Die zunehmende Hitzebelastung führt zu Innovationen im Textilbereich. Dazu zählen:

  • 3D-Spacer-Fabrics zur Erzeugung von Mikro-Luftpolstern.
  • Hydrophile Beschichtungen mit verstärktem Feuchtigkeitsmanagement.
  • Leichte High-Performance-Mischgewebe, die trotz dünner Konstruktion hohe Festigkeit bieten.

Im Bereich PSA besteht die große Herausforderung darin, optimalen Schutz zu gewährleisten, ohne die Gesamtatmungsaktivität zu beeinträchtigen. Um den thermischen Komfort der Arbeitskleidung weiter zu verbessern, arbeitet Kübler mit etablierten Prüf- und Forschungsinstituten zusammen.

Kübler ist u. a. mit mehr als zehn weiteren Unternehmen aus verschiedenen Branchen im Projektausschuss des vom BMWK geförderten IGF-Forschungsprojekts vertreten. In diesem Projekt forscht das Team Barrieretextilien der Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung (DITF) Denkendorf an neuartigen textilen Werkstoffen, die eine kühlende Funktion aufgrund der erhöhten Reflexion des Sonnenlichts und gleichzeitig einer erhöhten Wärmeabgabe in Form von langwelliger Strahlung im mittleren Infrarot haben. So soll die Oberflächentemperatur trotz Sonneneinwirkung unter der Lufttemperatur der nahen Umgebung liegen.

Grundlagenforschung weitgehend abgeschlossen
Unter dieser Zielsetzung wird an den DITF Denkendorf eine zellulosebasierte Beschichtung für substratunabhängige Applikationen entwickelt, darunter auch zellulosehaltige Bekleidungsstoffe für sortenreine Materialsysteme. Die kühlende Beschichtung nutzt den Brechungsindex-Unterschied zwischen Luft und Zellulose für die Rückstreuung von Sonnenlicht und den Himmel bzw. das Weltall als Kältequelle und erzielt damit eine Wärmeabgabe über Strahlung. Die Beschichtung wurde im Hinblick auf Porosität, Porengröße und -verteilung untersucht, um die relevanten wellenlängenabhängigen optischen Eigenschaften anzupassen.

Die Grundlagenforschung ist bereits weitgehend abgeschlossen, und es wurde eine passive Kühlung von bis zu 4 Grad unterhalb der Umgebungstemperatur demonstriert, wohingegen sich unbeschichtete Referenzmaterialien deutlich über die Umgebungstemperatur aufheizten. Derzeit befindet sich die Upscaling-Phase in der Planung, damit die Entwicklungen mit Tests an anwendungsrelevanten Kleidungsstücken unter realen Umgebungsbedingungen abgerundet werden können.

Anwendungsbeispiele sind u. a. Arbeitskleidung für Tätigkeiten im Freien (z. B. im Hoch- und Tiefbau, im Gartenbau und in der Landwirtschaff) sowie Sport- und Freizeitkleidung.

Da die ASR A5.1 in vielen Bereichen offenbleibt, kommt der Beratungskompetenz der Hersteller eine wichtige Rolle zu. Arbeitgeber und Sicherheitsfachkräfte benötigen Unterstützung, um passende Lösungen auszuwählen und Gefährdungsbeurteilungen praxisnah umzusetzen.

Die neue Shirt-Kollektion von Kübler mit integriertem UV-Schutz schützt die Haut bei Arbeiten im Freien.
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