UV-Strahlung ist ein oft unterschätztes Risiko am Arbeitsplatz. Warum normgerechter Augenschutz ein entscheidender Faktor ist, erklärt Sabrina Schlageter, Augenoptikermeisterin der Firma Unico Graber, im Interview.
Frau Schlageter, Sie sind als mobile Augenoptikermeisterin im Außendienst oft in den Betrieben unterwegs und somit am Ort des Geschehens. Ob auf der Baustelle oder in den Firmenräumlichkeiten Ihrer Kunden, Sie führen zusammen mit den Sicherheitsbeauftragten Personen regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen durch. Wie relevant ist UV-Schutz der Augen hierbei – wird das Risiko häufig unterschätzt?
Sabrina Schlageter: UV-Strahlung ist ein zunehmender Risikofaktor. Gerade bei regelmäßiger Arbeit im Freien wird die Augengefährdung häufig unterschätzt, obwohl Langzeitschäden wie Katarakt oder Netzhautveränderungen wissenschaftlich belegt sind. Meine Aufgabe ist es hier zu sensibilisieren und Möglichkeiten zum Rundumschutz aufzuzeigen.
Können Sie kurz erklären, was die Angaben wie UV-A, UV-B und Wellenlängen für den Augenschutz bedeuten?
Schlageter: UV-Strahlung wird nach ihrem Wellenlängenbereich eingeteilt: UV-A dringt tief in das Auge ein und kann langfristig die Netzhaut schädigen, UV-B ist energiereicher und kann Hornhaut und Linse schädigen. Die Angabe in Nanometern (nm) beschreibt, bis zu welcher Wellenlänge die Brillengläser die Strahlung zuverlässig blockieren. Ein UV-Cut bis 400 nm schützt die Augen effektiv vor den schädlichsten UV-Strahlen und sollte bei regelmäßigen Arbeiten im Freien unbedingt zur Ausrüstung gehören.
Welche gesundheitlichen Schäden am Auge können durch fehlenden oder unzureichenden UV-Schutz bei der Arbeit entstehen – sowohl kurzfristig als auch langfristig?
Schlageter: Kurzfristig kann intensive UV-Strahlung eine Hornhautentzündung (Photokeratitis, auch als „Schneeblindheit“ bekannt) oder eine Bindehautentzündung (Photokonjunktivitis) auslösen. Typische Symptome sind Schmerzen, Rötung, starkes Tränen und Lichtempfindlichkeit. Langfristig erhöht wiederholte UV-Belastung das Risiko für Erkrankungen wie den Grauen Star (Katarakt) sowie Veränderungen der Bindehaut, etwa ein Pterygium (Gewebewucherung auf dem Auge). Betroffen sind dabei vor allem Hornhaut, Bindehaut und die Augenlinse. Aber auch Augentumoren (Lidkrebs) können durch das Tragen von geeignetem UV-Schutz vorgebeugt werden.
Welche Berufsgruppen sind besonders gefährdet – auch jenseits klassischer Outdoor-Tätigkeiten?
Schlageter: Dies betrifft sehr viele Berufsgruppen. Neben Bau, Garten- und Landschafts-, Gleis- und Straßenbau sind auch Landwirtschaft oder Beschäftigte mit stark reflektierenden Oberflächen – etwa Wasser, Metall oder Glas – betroffen. Auch gibt es diverse medizinische und Laborberufe, die spezielle UV-Lampen nutzen.
Was können Unternehmen konkret tun, um ihre Mitarbeitenden besser für das Thema UV-Schutz der Augen zu sensibilisieren?
Schlageter: Unternehmen sollten UV-Schutz unbedingt fest in ihre Gefährdungsbeurteilung und regelmäßigen Unterweisungen integrieren. Aus meiner Erfahrung steigert es außerdem die Akzeptanz, wenn Führungskräfte Augenschutz und persönliche Schutzausrüstung generell konsequent vorleben und die Mitarbeitenden mit komfortabler, passender Ausrüstung ausgestattet sind.
Welche Normen müssen Fachkräfte für Arbeitssicherheit beim UV-Schutz zwingend beachten?
Schlageter: Vergewissern Sie sich, dass die ausgewählte Brille alle erforderlichen Normen erfüllt. Die EN 166 regelt aktuell noch die grundsätzlichen Anforderungen an Augenschutz. Diese ist am Bügel und Glas graviert. Je nach Gefährdung sollten auch EN 170 (UV-Schutz) und/oder EN 172 (Sonnenschutz) erfüllt sein – die Kennzeichnungen stehen dann auf dem Glas (z. B. „2C-1.2“ = farbloser UV-Filter). Neu wird zukünftig allerdings dann die internationale Normenreihe EN ISO 16321 greifen. Hier ist es hilfreich, sich bei der Auswahl der Schutzbrillen an namhaften Herstellern zu orientieren, um Qualität, geprüfte Normenkonformität und zuverlässigen Schutz zu gewährleisten. Oft bieten billigste online Anbieter nicht zertifizierte Ware an – oder es werden zur Zertifizierung falsche Angaben gemacht. Dies vermittelt eine falsche Sicherheit und kann im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge gehen.
Sabrina Schlageter
… ist als mobile Augenoptikermeisterin der Firma Unico Graber in vielen Betrieben zu Gast.
Woran erkennen Sicherheitsfachkräfte oder Einkäufer, dass eine Schutzbrille tatsächlich normgerechten UV-Schutz bietet?
Schlageter: An der Kennzeichnung auf der Scheibe und Fassung: Herstellerzeichen, Normangabe und Filterkennzeichnung müssen auf der Brille (sowohl Gestell als auch Gläser) angeschrieben sein. Fehlen diese Angaben, liegt kein geprüfter Arbeitsschutz vor. Eine Konformitätserklärung ist in der EU zusätzlich zu den Gravuren ebenfalls vorgeschrieben.
Was ist der Unterschied zwischen getönten Gläsern und geprüften UV-Schutzfiltern?
Schlageter: Tönung reduziert Blendung, sagt aber nichts über den UV-Filter aus. Durch getönte Brillengläser öffnet sich die Pupille, um mehr Licht ins Auge zu lassen, was bei Gläsern ohne UV-Schutz zu zusätzlichen Schädigungen führen kann. Ein geprüfter UV-Filter blockiert definierte Wellenlängenbereiche – unabhängig von der sichtbaren Tönungsstufe.
Welche typischen Fehler sehen Sie bei der Auswahl oder Beschaffung von UV-Schutzbrillen?
Schlageter: Ich erlebe immer wieder, dass oft leider nach Preis statt nach Gefährdung entschieden wird. Zudem werden Passform und Tragekomfort unterschätzt – was dazu führt, dass Brillen nicht konsequent oder nur ungern getragen werden.
Wie lässt sich hohe Schutzwirkung mit Tragekomfort und Akzeptanz im Arbeitsalltag verbinden?
Schlageter: Durch ergonomische Fassungen, leichte Materialien, beschlagfreie und entspiegelte Beschichtungen und – wenn nötig – individuell angepasst, mit Sehstärke. Akzeptanz ist ein zentraler Sicherheitsfaktor.
Welches Sortiment bietet Unico Graber speziell zum UV-Schutz an, und wie decken die Produkte unterschiedliche Anforderungen von Unternehmen und Mitarbeitenden ab?
Schlageter: Wir bieten diverse Möglichkeiten für UV- und Augenschutz an und beraten gerne jedes Unternehmen individuell anhand der Gefährdungsbeurteilung, um die passende Lösung auszuwählen. Unser Sortiment umfasst dabei unterschiedliche Produkte, die je nach Einsatzbereich und Schutzanforderung optimal eingesetzt werden können:
- Brillengläser aus TVX mit UV-Cut bis 400 nm (Festigkeitsklasse F) für den korrigierten Augenschutz – sie bieten
neben der korrigierten Fehlsichtigkeit zuverlässigen Schutz vor schädlicher UV-Strahlung. Dabei sind sie geeignet für mechanische und chemische Arbeitsbereiche und sind leicht, robust mit exzellenten optischen Eigenschaften. - abnehmbare Sonnenclips (UV 400) als Ergänzung zur Korrekturschutzbrille – für Flexibilität bei unterschiedlichen und schnell wechselnden Lichtverhältnissen und zusätzlichen Blendschutz bei direkter
Sonneneinstrahlung. - Phototrope Brillengläser für Korrekturschutzbrillen – passen sich automatischwechselnden Lichtverhältnissen an und bieten sowohl UV- als auch Blendungsschutz. Eine Brille für alle Lichtverhältnisse.
- Unkorrigierte Schutzbrillen mit oder ohne Tönung und UV-Schutz – kombinieren Sichtkomfort und Schutz bei direkter Sonneneinstrahlung.
Vielen Dank Frau Schlageter für diesen informativen Überblick. Eine abschließende Frage noch: Wenn Sie Sicherheitsverantwortlichen drei konkrete Handlungsempfehlungen mitgeben müssten – welche wären das?
Schlageter: Selbstverständlich kann ich da drei Empfehlungen geben:
- UV-Exposition systematisch in die Gefährdungsbeurteilung integrieren und regelmäßig überprüfen
- Ausschließlich normgeprüfte Schutzbrillen einsetzen und dabei auf Qualität sowie optimale Passform achten – denn Schutz wirkt nur, wenn die Brille normkonform ist und konsequent getragen wird.
- Professionelle Beratung ins Haus holen – der externe Blick einer Fachperson für Augenschutz schafft zusätzliche Sicherheit und neue Perspektiven.