Evelyne Pfundstein arbeitet als Schornsteinfeger-Gesellin im Schwarzwald – in einem Beruf, der weit mehr umfasst als das Kehren von Schornsteinen. Zwischen Heizungskeller, Wohnzimmer, Dach und gelegentlich auch einem Kleiderschrank bewegt sie sich täglich in sehr unterschiedlichen Arbeitsumgebungen. Dabei gehören Technik, Kundenkontakt und körperliche Arbeit gleichermaßen zu ihrem Job. Im Gespräch mit Elten erzählt sie von ihrem abwechslungsreichen Alltag, von Risiken auf dem Dach – und davon, warum das richtige Schuhwerk für sie unverzichtbar ist.
Frau Pfundstein, wie sind Sie zum Schornsteinfegerhandwerk gekommen – und was begeistert Sie daran
bis heute?
Evelyne Pfundstein: Ich habe verschiedene Praktika gemacht und bin außerdem familiär vorgeprägt. Ich liebe vor allem die Vielfältigkeit des Jobs. Viele denken ja, wir stehen den ganzen Tag nur auf dem Dach. Aber ich bin genauso im Keller bei Heizungen oder im Wohnzimmer an Feuerstätten unterwegs. Dieser Wechsel zwischen draußen und drinnen macht den Job für mich besonders spannend. Dazu kommen die technischen Themen: Umwelt- und Energieberatung werden immer wichtiger und sind aktueller denn je. Dass wir hier einen Beitrag leisten können, finde ich richtig gut, weil man merkt, dass die eigene Arbeit einen echten Nutzen hat und auch gesellschaftlich relevant ist.
Gibt es bei so viel Abwechslung überhaupt so etwas wie einen typischen Arbeitstag?
Pfundstein: Eigentlich nicht – und genau das macht es aus. Ich starte meist gegen sieben Uhr im Betrieb, packe mein Werkzeug und fahre dann zu meinen Kunden. Die Termine plane ich selbst, deshalb gehört auch Büroarbeit dazu, also Telefonate und E-Mails. Dadurch bin ich sehr eigenständig unterwegs und kann mir meinen Tag gut strukturieren. Lustig ist immer der Moment, wenn ich das erste Mal persönlich auftauche: Am Telefon halten mich viele für die Bürokraft und sind überrascht, dass dann eine Frau vor der Tür steht.
Wie erleben Sie die Arbeit mit den Menschen?
Pfundstein: Sehr positiv. Ich würde sagen, 95 Prozent der Kunden sind ausgesprochen nett. Gleichzeitig weiß man nie, in welche Situation man hineinkommt, wenn sich die Tür öffnet. Das ist manchmal herausfordernd, aber auch das Spannende an meinem Beruf. Kürzlich war ich bei einer Kundin, die am Tag zuvor ihren Mann beerdigt hatte. Da nimmt man sich dann einfach Zeit für ein Gespräch und arbeitet nicht einfach stur sein Programm ab. Solche Momente gehören dazu und machen den Beruf auch menschlich besonders, weil es eben nicht nur um Technik geht.
Ihr Beruf ist nicht ungefährlich. Wo liegen für Sie die größten Risiken?
Pfundstein: Die Höhe darf man nicht unterschätzen, vor allem beim Übergang von der Leiter aufs Dach. Auch Ziehtreppen sind eine typische Unfallquelle, weil sie oft nicht ganz stabil sind und man dort leicht den Halt verlieren kann. Grundsätzlich sind die Kunden verpflichtet, einen sicheren Zugang zu schaffen, etwa durch Dachtritte. Wenn das nicht gegeben ist, gehe ich nicht aufs Dach. Ich habe nur ein Leben – das setze ich für keinen Kunden auf Spiel.
Hat sich beim Thema Arbeitssicherheit in den letzten Jahren etwas verändert?
Pfundstein: Auf jeden Fall. Es gibt einen klaren Trend dahin, dass wir möglichst wenig auf dem Dach arbeiten sollen. Oft können wir den Kamin über Reinigungsöffnungen im Haus säubern. Aber gerade bei uns im Schwarzwald, wo viel mit Holz geheizt wird, ist das nicht immer möglich. Manchmal ist der Zugang innen auch alles andere als komfortabel. Ich habe einen Kunden, bei dem die Dachluke im Kleiderschrank sitzt. Jedes Mal räumt er seinen weißen Schrank aus, damit ich die Leiter darin aufstellen kann. Das ist schon speziell und zeigt, wie unterschiedlich die Arbeitsbedingungen sein können und wie flexibel man sein muss.
Viele verbinden den Beruf mit Schmutz und Ruß. Wie gehen Sie damit um?
Pfundstein: Sauber zu arbeiten ist für mich und meinen Chef der höchste Anspruch. Wir verlassen den Arbeitsplatz so, wie wir ihn vorgefunden haben. Wenn doch mal etwas daneben geht, wird es selbstverständlich entfernt. Ich sauge dann alles ab oder bitte auch schon mal um einen Eimer Wasser. Für mich gehört das genauso zur Arbeit wie das Kehren selbst.
Welche Rolle spielt dabei Ihre Ausrüstung, insbesondere die Sicherheitsschuhe?
Pfundstein: Eine sehr große, eigentlich sogar die wichtigste. Damit ich mich jederzeit sicher bewegen kann, muss die Sohle richtig rutschfest sein, auch bei Nässe, und guten Halt auf Leitern bieten. Persönlich trage ich gerne Sicherheitsschuhe mit wasserdichter Membran von Gore-Tex. Da ich den ganzen Tag lang dieselben Schuhe trage, egal ob ich im Haus arbeite oder auf dem Dach, muss natürlich auch der Tragekomfort stimmen.
Merkt man wirklich so deutlich, ob das Schuhwerk passt oder nicht?
Pfundstein: Absolut. Der Schuh macht den Unterschied. Gerade bei Nässe spürt man sofort, ob man sich sicher bewegen kann oder nicht. Und auch über den Tag hinweg: Wenn der Schuh nicht passt oder unbequem ist, merkt man das abends deutlich. Für mich ist wichtig, dass ich ihn ausziehe und meine Füße nicht weh tun.
War es für Sie leicht, passende Sicherheitsschuhe zu finden?
Pfundstein: Lange Zeit nicht. Ich habe relativ breite Füße, und bei den meisten Herstellern ist die Auswahl für Frauen sehr begrenzt. Oft gab es nur ein oder zwei Modelle, die überhaupt infrage kamen. Aber vor knapp einem Jahr bin ich auf Elten aufmerksam geworden. Seitdem bin ich wirklich zufrieden. Die Schuhe sind bequem und halten lange – mein erstes Paar hat ein Jahr durchgehalten, das hatte ich vorher noch nie und das ist für mich ein echter Qualitätsunterschied.
Sie arbeiten in einem eher männlich geprägten Beruf. Wie erleben Sie das im Alltag?
Pfundstein: Die meisten reagieren positiv. Anfangs schauen einige Kunden überrascht, aber sie kennen mich mittlerweile ja. Ich mache meine Arbeit genauso wie meine männlichen Kollegen. Mir muss niemand etwas hinterhertragen. Trotzdem passiert es manchmal, dass jemand mir etwas abnehmen möchte – vermutlich, weil ich eine Frau bin. Das nervt manchmal, aber im Großen und Ganzen kann ich damit gut umgehen.
Wie sehen Sie die Entwicklung für Frauen im Handwerk insgesamt?
Pfundstein: Es hat sich einiges getan, aber es gibt noch Luft nach oben. Gerade bei der Arbeitskleidung merke ich das. Oft passen die Schnitte einfach nicht. Bei Arbeitshosen sitzen die Kniepolster häufig an der falschen Stelle. Da kniee ich eher auf der Kante als auf dem Polster. Das ist auf Dauer unangenehm.
Was würden Sie jungen Frauen raten, die über einen handwerklichen Beruf nachdenken?
Pfundstein: Einfach ausprobieren. Am besten macht man ein oder zwei Praktika und entscheidet dann. Wer Lust darauf hat, kann das auch schaffen. Ich finde, man sollte sich da nicht aufhalten lassen und sich ruhig etwas zutrauen, auch wenn es am Anfang vielleicht ungewohnt ist.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Herstellern im Bereich Arbeitsschutz?
Pfundstein: Dass noch stärker auf die unterschiedlichen Bedürfnisse eingegangen wird. Frauen sind im Handwerk längst selbstverständlich, aber die Ausstattung hinkt teilweise noch hinterher. Gerade bei Passformen wäre noch viel möglich und auch bei der Auswahl insgesamt.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Handwerks?
Pfundstein: Ich hoffe sehr, dass die Gesellschaft endlich aufwacht und erkennt was sie am Handwerk hat und es entsprechend wertschätzt. Eine Ausbildung im Handwerk ist leider bei vielen Menschen nicht so hoch angesehen wie kaufmännische Berufe oder ein Studium. Dabei ist es völliger Quatsch, eine Ausbildung mit schlechter Bildung gleichzusetzen. Das muss sich ändern.