Mit dem Frühjahr steigt die UV-Belastung für Millionen Beschäftigter im Freien. Welche Rolle die richtige Schutzkleidung spielt und warum ihre professionelle Pflege genauso entscheidend ist wie ihre Auswahl, das erläutert Marc Benscheidt, PSA-Experte bei CWS Workwear, in diesem Beitrag.
Mit den ersten warmen Tagen kehrt auch das Arbeiten unter freiem Himmel zurück. Auf Baustellen, Betriebshöfen, in der Entsorgungswirtschaft oder im Garten- und Landschaftsbau beginnt die Saison, in der Mitarbeitende stundenlang der Sonne ausgesetzt sind. Was sich nach einem angenehmen Nebeneffekt des Berufslebens anhört, ist in Wirklichkeit eine ernstzunehmende Gefährdung: UV-Strahlung zählt heute zu den anerkannten Ursachen berufsbedingter Erkrankungen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat bestimmte Hautkrebserkrankungen bereits vor über zehn Jahren als Berufskrankheit anerkannt. Dies unterstreicht auch die wissenschaftliche Aussage, dass langjährige solare UV-Exposition am Arbeitsplatz ein vermeidbares Risiko ist.
Das Bewusstsein dafür wächst allerdings in vielen Betrieben zu langsam. Die Gefahr ist unsichtbar, entfaltet ihre Wirkung erst Jahrzehnte später und verdient deshalb bereits heute klare Antworten.
Die Logik der Strahlungsbelastung
Beschäftigte, die im Freien arbeiten, verbringen einen Großteil ihres Arbeitslebens der Sonne ausgesetzt und dies häufig über viele Jahre, teils sogar über Jahrzehnte hinweg. In der betrieblichen Praxis wird dabei ein entscheidender Punkt oft unterschätzt: Es geht nicht um einzelne Sonnentage, sondern um die kumulative UV-Belastung über eine gesamte Berufsbiografie. Wer täglich mehrere Stunden im Freien arbeitet, erreicht im Laufe eines Arbeitslebens Strahlungsdosen, die weit über dem liegen, was Freizeitaktivitäten je verursachen könnten.
Erschwerend kommt hinzu, dass UV-Strahlung auch bei Bewölkung und durch Reflexionen von Beton, Sand oder Wasser wirkt. Wer den Schutz seiner Mitarbeitenden nur an der gefühlten Sonnenstärke ausrichtet, handelt fahrlässig.
Wirksamer UV- und Hitzeschutz folgt einer klaren Hierarchie: Organisatorische Maßnahmen wie angepasste Arbeitszeiten oder Pausen im Schatten bilden die Basis, technische Lösungen wie Sonnensegel oder UV-absorbierende Fahrzeugscheiben ergänzen sie. Doch in der Praxis lässt sich die Exposition durch Sonne und Hitze selten vollständig eliminieren und genau hier ist die persönliche Schutzausrüstung (PSA) von zentraler Bedeutung. Sie ist die Schutzebene, die unmittelbar am Menschen wirkt, rund um die Uhr und unabhängig davon, wie gut die organisatorischen Rahmenbedingungen sind.
Der regulatorische Rahmen unterstreicht das: Die deutschen technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR A3.5) legen fest, dass Betriebe ab einer Lufttemperatur von 26 Grad handeln müssen, ab 30 Grad werden personenbezogene Schutzmaßnahmen verpflichtend. Wer seiner Fürsorgepflicht gerecht werden will, kommt an einer durchdachten PSA-Strategie nicht vorbei. Und genau hier liegt ein erhebliches Potenzial, das viele Betriebe noch nicht vollständig ausschöpfen.
Marc Benscheidt
… ist PSA-Experte bei CWS Workwear.
Das Potenzial zertifizierter Schutzkleidung
Nicht jede Arbeitskleidung schützt vor UV-Strahlung. Ein handelsübliches helles Baumwoll-T-Shirt erreicht oft nur UPF-Werte im einstelligen Bereich und zertifizierte UV-Schutzkleidung muss nach der europäischen Norm EN 13758 dagegen einen UV-Schutzfaktor (UPF) von mindestens 40 nachweisen. Das bedeutet: Das Textil absorbiert oder reflektiert mindestens 97,5 Prozent der UV-Strahlung. Ein Unterschied, der im Arbeitsalltag über Jahre hinweg eine erhebliche Wirkung entfaltet.
Was viele nicht wissen: Der Schutzwert eines Textils hängt nicht allein von der Farbe ab, auch wenn dunklere und dichtere Gewebe tendenziell besser abschneiden. Entscheidend sind Faserart, Gewebedichte, Grammatur und Konstruktion. Moderne Entwicklungen in der Fasertechnologie erlauben es heute, Kleidung zu produzieren, die gleichzeitig UV-Schutz bietet, atmungsaktiv ist und feuchtigkeitsregulierend wirkt. Materialien müssen dabei eine doppelte Anforderung erfüllen: Sie müssen ihre Schutzfunktion zuverlässig erfüllen und gleichzeitig physiologisch tragbar bleiben.
Kein Schutz ohne Tragekomfort
Kühlende Technologien sind eine funktionale Voraussetzung für wirksamen UV-Schutz. Im Markt haben sich drei Ansätze für kühlende Technologien etabliert: Phase-Change-Materialien (PCM), die Temperaturspitzen puffern, feuchtigkeitsregulierende Ausrüstungen, die Feuchtigkeit aktiv vom Körper abtransportieren, sowie materialintegrierte Lösungen, bei denen die Kühlfunktion direkt in der Faserstruktur verankert ist. Dieser Unterschied ist in der Praxis entscheidend, denn nicht jede Technologie hält, was sie verspricht. PCM-Systeme und hydrophile Oberflächenausrüstungen sind häufig beschichtungsbasiert und können unter den Bedingungen industrieller Wäsche – hohe Temperaturen, alkalische Waschchemikalien, mechanische Belastung – über die Waschzyklen hinweg an Wirkung verlieren. Materialimmanente Lösungen, bei denen die Funktion in der Faser selbst liegt, sind deutlich beständiger und damit die tragfähigere Grundlage für ein langfristiges Bekleidungskonzept. Ergänzend zur Kleidung gehören UV-Schutzhandschuhe, Nackenschutz und geeignete Kopfbedeckungen zum vollständigen Schutzkonzept. Auch Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor sind für unbedeckte Hautpartien unverzichtbar und sollten vom Arbeitgeber bereitgestellt werden.
Warum die Wäsche über die Wirkung entscheidet
Ein Aspekt, der in der Praxis häufig übersehen wird: UV-Schutzkleidung schützt nur dann zuverlässig, wenn ihre Funktion über den gesamten Nutzungszeitraum erhalten bleibt. Die Norm EN 13758 prüft Textilien im Neuzustand, nicht nach Waschzyklen. Was danach passiert, liegt in der Verantwortung des Betriebs. Industrielle Aufbereitung nach definierten und validierten Waschparametern stellt genau das sicher.
Arbeitskleidung im Mietservice setzt eben an diesem Punkt an. Regelmäßige Sichtprüfungen durch geschultes Personal, ein dokumentierter Lebenszyklus jedes einzelnen Kleidungsstücks sowie ein systematisches Reparaturmanagement verlängern die Nutzungsdauer und gewährleisten, dass die PSA ihre Schutzfunktion so erfüllt, wie sie zertifiziert ist. Für Unternehmen bedeutet das auch, dass sich die Nachweispflicht gegenüber Berufsgenossenschaften über ein solches System strukturiert und lückenlos erfüllen lässt.
Für Betriebe, die jetzt handeln wollen, ist der erste Schritt klar: Die Gefährdungsbeurteilung auf UV-Strahlung und Hitzebelastung prüfen, Schutzkleidung nach zertifizierten Standards auswählen und die Aufbereitung professionell regeln. Wer Auswahl, Pflege und Nachweisführung systematisch organisiert, ist nicht nur rechtlich auf der sicheren Seite, sondern schützt die Menschen, die draußen arbeiten.
Das ist kein Großprojekt, aber es ist eine Entscheidung, die man nicht auf den nächsten Sommer verschieben sollte.