Das Thema Nachhaltigkeit ist bei Hersteller Blåkläder tief verankert. So sind aktuell mehr als 350 von rund 900 Produkten mit dem Label Made in Green ausgezeichnet, bis Jahresende sollen es rund 75 Prozent sein. Chefredakteur Camillo Kluge besuchte die Deutschland-Zentrale von Blåkläder und sprach mit Geschäftsführer Jan Gundermann.
Herr Gundermann, Blåkläder treibt die Umstellung der Kollektion auf Made in Green konsequent voran. Was genau ist Made in Green?
Jan Gundermann: Made in Green gehört grundsätzlich erstmal zu Öko-Tex, was glaube ich den meisten etwas sagen wird. Es ist ein internationales, anerkanntes Label, dass seit über 30 Jahren am Markt ist. Made in Green ist sozusagen die höchste Stufe sowie die bestmögliche Weiterentwicklung, die man bei Öko-Tex erreichen kann, weil es die ganze Wertschöpfungskette betrachtet und nicht nur ein einzelnes Produkt.
Klingt wie das perfekt umgesetzte Lieferkettengesetz.
Gundermann: Ja genau. Damals, als das Thema mit dem Lieferkettengesetz hochkam, haben wahrscheinlich viele Unternehmen erstmal gezittert. Für uns war und ist es kein Problem, die geforderten Nachweise zu erbringen, weil wir die komplette Wertschöpfung in der eigenen Hand haben. Es wird bei uns, also in unseren Fabriken, produziert. Wir kennen die Vorlieferanten und wissen, wie die Sachen da hergestellt werden. Wir haben zu jedem einen persönlichen, direkten Draht, oft seit vielen Jahren. Genau aus diesen Gründen sind wir mit Blåkläder das ganze Thema entspannt angegangen.
Ein Pfund, mit dem man wuchern kann, oder?
Gundermann: Ja, und es ist ein Gegenargument zu der Kritik, dass Produktion in Asien oder anderen Produktionsregionen automatisch mit niedrigeren Standards verbunden sei. Denn mit Made in Green wird vor allem auch der Umgang mit den Mitarbeitenden sowie die Bedingungen in den Fabriken detailliert betrachtet. Dadurch lässt sich solchen Stimmen der Wind aus den Segeln nehmen. Wenn ein Unternehmen in Asien beziehungsweise in Fernost produziert, hat es natürlich auch eine gewisse Verantwortung – wie in jeder anderen Region der Welt auch. Das ist ganz klar. Doch wie lässt sich dieser Verantwortung besser gerecht werden und zugleich positive Veränderung vor Ort vorantreiben, als wenn einem die Produktionsstätten gehören und man mit gutem Beispiel vorangeht? Das sind alles Kolleginnen und Kollegen, die da arbeiten, die direkt bei Blåkläder angestellt sind, die Teil von uns sind. Und deswegen wissen wir ganz genau, wie die Sachen vor Ort hergestellt und produziert werden.
Und unter welchen Bedingungen gearbeitet wird.
Gundermann: Mein Vertriebsteam und ich hatten das Glück, dass wir uns die Produktion vor Ort schon ansehen durften. Wir haben dieses Jahr ein großes Händler-Event, wo wir ganz bewusst in die Produktionsstätten nach Sri Lanka einladen. Wir müssen dabei nichts verstecken und sind stolz darauf, was unsere Leute dort machen. Und wenn ich mir das alles ansehe, wird den Mitarbeitern dort einiges geboten. Es wird eine Kinderbetreuung angeboten, es gibt kostenloses Essen, der Transport zur Arbeit und wieder zurück wird ebenfalls organisiert. Das sind ganz praktische Maßnahmen, die im Alltag der Mitarbeitenden einen echten Unterschied machen und zu einem stabilen, unterstützenden Arbeitsumfeld beitragen. Deswegen sind wir sehr stolz darauf, dass wir in eigenen Produktionen in Fernost unsere Produkte herstellen können.
Das ist sicher nicht der schlechteste Weg.
Gundermann: Das ist cool, definitiv. Diese Auslastung haben wir so weit vorangetrieben, dass wir mittlerweile 98 Prozent unserer Sachen in eigenen Herstellungswerken produzieren. Sprich wenn ich mir die fertigen Produkte ansehe, die der Verbraucher anziehen kann, dann sind 98 Prozent von uns selbst gefertigt. Das ist eine Menge. Das ist sehr stark und auch, soweit ich das weiß, einzigartig am Markt. Eine Zahl, auf die wir sehr, sehr stolz sind.
Das ist aber zunächst auch mit hohen Kosten verbunden, oder?
Gundermann: Ja, die Eigentümerfamilie hat da schon extrem hohe Investitionen getätigt. Wir haben jetzt in Bangladesch noch ein neues Werk eröffnet, über das wir auch proaktiv sprechen. Uns ist bewusst, dass Bangladesch natürlich hier in der europäischen Wahrnehmung einen faden Beigeschmack hat und oftmals mit Vorurteilen verbunden ist. Aber da gibt es eine sehr offensive Kommunikation. Wir zeigen die Bilder dazu, wir zeigen die Videos dazu und legen offen dar, was wir da vor Ort machen. Und ich bin da super stolz drauf, was wir da machen. Denn ich glaube, dass die Arbeitsbedingungen dort ein Umfeld schaffen, in dem Menschen gerne arbeiten.
Zurück zur Lieferkette und den Zulieferern. Auf diesem Weg, dieser Entwicklung zu Made in Green, sind da auch Lieferanten rausgefallen, weil diese den Anforderungen nicht gerecht wurden?
Gundermann: So etwas kann passieren, natürlich. Aber bevor das passiert, steht immer die Frage, warum. Dabei kommen wir als Unternehmen in die Verantwortung zu erklären, warum dieser Nachhaltigkeitsaspekt so wichtig ist. Das machen wir sehr gerne. Dann stellt sich die Frage, warum sollte ein Lieferant von uns bereit sein, mehrere Tausende Euro in beispielsweise eine Solaranlage zu investieren. Sein Geschäft läuft ja auch so und er könnte sagen, dass er das nicht will. Aber das Gute an der Sache ist, dass wir seit Jahren sukzessive unsere Kapazitäten hochgefahren haben, also auch immer die Nachfrage an den Lieferanten steigern konnten. Und der weiß, wir sind seit vielen Jahren ein zuverlässiger Vertragspartner und er hätte gerne auch in den nächsten Jahren mit Blåkläder noch eine vernünftige Zusammenarbeit. Und wenn Blåkläder jetzt sagt, wir wollen als Unternehmen für mehr Nachhaltigkeit sorgen und die notwendigen Zertifizierungen erfüllen, dann gibt das dem Lieferanten auch eine Sicherheit, diese Investitionen zu tätigen. Es wird nicht immer jeder mitziehen. Bei denjenigen, die langfristig an uns gebunden sind und mit denen wir eine echte sowie langfristige Partnerschaft pflegen, funktioniert das aber sehr gut.
Lässt sich Made in Green in Zahlen wie reduziertem Stromverbrauch greifbar machen?
Gundermann: Nur dadurch, dass man ein Zertifikat auf ein Produkt klebt, erreicht man das natürlich nicht. Man muss vielmehr prüfen, wie sich Produktionsprozesse konkret anpassen lassen. Ein wesentlicher Aspekt ist natürlich, verstärkt nachhaltige Energien zu nutzen. Einer unserer größten Ansatzpunkte ist aber auch, dass wir Teile der Textilverarbeitung umgestellt haben, wie beispielsweise die Färbung der Rohstoffe. Wir setzen inzwischen auf ein Spindelfärbungsverfahren, bei dem das Garn bereits als Rohstoff gefärbt wird. Dadurch lässt sich der Wasserverbrauch deutlich reduzieren. Das sind Bereiche, in denen wir uns das Know-how nicht nur einkaufen, sondern uns auch gezielt an entsprechenden Unternehmen beteiligen. Als Anteilseigner können wir die Entwicklung dort aktiv mitgestalten und vorantreiben. Dadurch haben wir dieses Know-how direkt bei uns im Haus.
Noch einmal zurück nach Bangladesch. Was wird denn da produziert?
Gundermann: Dort entstehen Strickwaren bzw. gestrickte Produkte wie T-Shirts, Pullover, Poloshirts und ähnliche Produkte. Bangladesch ist für diese einfachen Produkte ein sehr starkes Herkunftsland. Da ist, glaube ich, kaum jemand besser, was Know-how und Qualität angeht. Deswegen haben wir uns auch dafür entschieden. Viele dieser Flachwaren hatten wir zuvor zugekauft. Nun stellen wir sie komplett selber her, und zwar maßgeblich in unserem Betrieb in Bangladesch. Wir wollen dort angesichts der sehr hohen Produktionskapazitäten viel Know-how aus Sri Lanka hinbringen und die Leute entsprechend ausbilden, damit wir mehr Flexibilität in der Produktion und auch Ausweichmöglichkeiten haben.
Fernost bildet also Fernost weiter…
Gundermann: Ja, denn auch das hat etwas mit sozialer Verantwortung zu tun. Wenn ich nicht das Geld und die Zeit investiere, um die Leute weiterzuentwickeln, haben wir schnell einen Entwicklungsstillstand in den Ländern. Das wollen wir nicht.
Hat das etwas mit der nordischen Mentalität zu tun? Die Nordeuropäer scheinen sehr engagiert, was Themen wie Nachhaltigkeit oder soziale Verantwortung angeht.
Gundermann: Ich kann da nicht verallgemeinernd für die Nordeuropäer sprechen. Ich kann aber sagen, dass es bei unserer Eigentümerfamilie sehr ausgeprägt ist, nicht nur vor der eigenen Haustür zu denken, sondern das Ganze zu betrachten. Und das finde ich schon beeindruckend, dass man eben nicht nur in den Vertriebsgesellschaften eine schöne Fassade präsentiert, sondern dass dieser Anspruch wirklich bis in die Produktionsstätten reicht. Es soll den Leuten, die bei Blåkläder angestellt sind, immer gut gehen. Je mehr sich diese Idee durchsetzt und je stärker man das in allen Belangen unterstützt, desto mehr Unternehmen werden da nachziehen und das genauso machen. Das ist jetzt sehr poetisch, aber dadurch kann man die Welt vielleicht ein bisschen zu einem besseren Ort machen.
Sie sind jetzt seit bald drei Jahren Geschäftsführer Blåkläder Deutschland. Wie lauten denn Ihre Pläne für
die nahe Zukunft?
Gundermann: Weiter wachsen. Nicht nur umsatztechnisch, sondern auch in der Organisation selbst, in der Struktur selbst. Nachhaltig wachsen. Das heißt, dass wir nicht auf Schnellschüsse aus sind, sondern wirklich ein gesundes Fundament schaffen wollen. Damit haben wir uns jetzt viel beschäftigt. Wir wollen Lösungen für den Endkunden, aber auch für den Handel entwickeln. Wir haben mit dem Zukauf von Wasch Mal eine sehr gute Waschlösung hinzubekommen. Damit können wir noch mehr Kunden eine fachgerechte Pflege ihrer Arbeitskleidung anbieten. Denn die richtige Reinigung und Pflege trägt dazu bei, dass Kleidungsstücke länger halten. Das schafft sowohl wirtschaftliche als auch nachhaltige Vorteile: Unternehmen können ihre Kleidung länger nutzen, unnötigen Verbrauch reduzieren und letztlich Ressourcen schonen. Dass wir die ganze Prozesskette rund um Arbeitsbekleidung abdecken und über den Handel zum Endkunden bringen können, ist mir sehr wichtig. Ich glaube, dass wir da in den vergangenen zweieinhalb Jahren riesige Schritte gemacht haben und dem Markt einen echten Mehrwert bieten. Letztlich soll es einfach Spaß machen, mit Blåkläder zusammenzuarbeiten.