Frauen sind heute ein unverzichtbarer Bestandteil der Bau- und Handwerksbranche. Ob im Dachdeckerhandwerk, auf Gerüsten, in der industriellen Instandhaltung oder bei technischen Installationen – ihre Aufgaben sind anspruchsvoll und häufig mit Arbeiten in der Höhe verbunden. Entsprechend relevant ist passgenauer Auffangschutz, wie Cécilia Lemoine Moncla, Product Manager Fall Protection bei Delta Plus, im Interview erklärt.
Mit den Arbeiten in der Höhe gewinnt ein Thema zunehmend an Bedeutung: Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA), die ergonomisch passt und den unterschiedlichen Körperformen gerecht wird. Bei Delta Plus geht es beim Auffangschutz nicht nur um Normen und Vorschriften, sondern um praxisnahe Sicherheitslösungen, die Anwenderinnen und Anwender täglich zuverlässig schützen. Denn schlecht sitzende Auffanggurte beeinträchtigen nicht nur den Tragekomfort und die Bewegungsfreiheit, sondern im Ernstfall auch die Sicherheit. Warum ergonomisches Design speziell für Frauen immer wichtiger wird und wie Unternehmen Sicherheit und Komfort nachhaltig verbessern können, erläutert Cécilia Lemoine Moncla, Product Manager Fall Protection bei Delta Plus.
Frau Lemoine Moncla, warum ist das Thema „Frauen und Auffangschutz“ heute so relevant?
Cécilia Lemoine Moncla: Die Arbeitswelt verändert sich. Immer mehr Frauen arbeiten im Bauwesen, in der Industrie, in der Logistik oder in technischen Berufen. Viele dieser Tätigkeiten erfordern Arbeiten in der Höhe, bei denen Auffangschutz verpflichtend ist. Die Sicherheitsanforderungen gelten zwar für alle gleichermaßen, jedoch unterscheiden sich Anatomie und Körperproportionen deutlich. Deshalb ist die richtige Einstellung und Anpassung des Auffanggurtes entscheidend – insbesondere, um die Anatomie optimal zu berücksichtigen. Wenn Persönliche Schutzausrüstung nicht korrekt sitzt, leidet nicht nur der Komfort, sondern auch die Akzeptanz. Und genau diese Akzeptanz ist essenziell, denn Auffangschutz funktioniert nur dann zuverlässig, wenn er korrekt und konsequent getragen wird.
Viele gehen davon aus, dass einfach eine kleinere Größe ausreicht. Warum ist das nicht genug?
Lemoine Moncla: Ein Auffanggurt ist kein Kleidungsstück, sondern ein hoch technisches Sicherheitsprodukt der Kategorie III – also PSA gegen tödliche Risiken. Positionierung der Gurtbänder, Einstellmöglichkeiten, Polsterungen und Anschlagpunkte müssen exakt zur Anatomie des Anwenders passen. Frauen haben häufig andere Schulterbreiten, andere Proportionen im Brust- und Hüftbereich sowie einen anderen Körperschwerpunkt als Männer. Wird dies bei der Entwicklung nicht berücksichtigt, kann es zu Druckstellen, unangenehmen Gurtverläufen oder einer ungünstigen Lastverteilung im Falle eines Sturzes kommen. Bei Delta Plus legen wir deshalb großen Wert auf ergonomische Produktentwicklung. Unser Ziel ist es, maximale Bewegungsfreiheit mit höchster Sicherheitsleistung zu verbinden.
Welche Probleme treten bei Frauen mit herkömmlichen Auffanggurten am häufigsten auf?
Lemoine Moncla: Besonders häufig betrifft es den Brustbereich. Sitzt der Brustgurt zu hoch oder zu tief, wird das Tragen unangenehm und die Passform kann beeinträchtigt werden. Auch Beingurte verursachen oft Druckstellen, wenn Formgebung oder Polsterung nicht optimal abgestimmt sind. Viele Anwenderinnen versuchen dann, diese Probleme durch lockeres Einstellen oder falsches Tragen zu kompensieren. Das ist verständlich, erhöht jedoch das Risiko erheblich. Deshalb müssen Produktdesign und Schulung immer Hand in Hand gehen.
Worauf sollten Unternehmen achten, wenn sie Auffanggurte für weibliche Beschäftigte auswählen?
Lemoine Moncla: Der wichtigste Faktor ist die Ergonomie. Ein hochwertiger Auffanggurt sollte mehrere Einstellmöglichkeiten bieten und eine präzise Anpassung ermöglichen. Schultergurte dürfen keine Reibung verursachen, und die Beingurte müssen sicheren Halt bieten, ohne einzuschneiden. Gerade bei langen Tragezeiten spielt auch die Polsterung eine entscheidende Rolle. Ebenso wichtig ist die Benutzerfreundlichkeit. In der Praxis werden Gurte oft mit Handschuhen, Schutzkleidung oder Winterbekleidung angepasst. Verschlüsse und Einstellsysteme müssen daher intuitiv, schnell und zuverlässig bedienbar sein. Bei Delta Plus entwickeln wir Lösungen, die Sicherheit, Komfort und Alltagstauglichkeit optimal miteinander verbinden.
Cécilia Lemoine Moncla
ist Product Manager Fall Protection bei Delta Plus.
Welche Rolle spielt Komfort beim Auffangschutz?
Lemoine Moncla: Komfort ist ein wesentlicher Bestandteil von Sicherheit. Wenn ein Auffanggurt unbequem ist, versuchen Anwender automatisch, ihn zu vermeiden oder falsch zu tragen. Ein Gurt muss den Nutzer während des gesamten Arbeitstages unterstützen. Hoher Tragekomfort bedeutet weniger Ermüdung, bessere Beweglichkeit und mehr Konzentration auf die eigentliche Tätigkeit. Gleichzeitig steigt das Vertrauen in die Ausrüstung und damit auch die Bereitschaft, sie korrekt einzusetzen. Aus diesem Grund setzt Delta Plus stark auf anwenderorientierte Produktentwicklung. Unser Ziel ist es, Auffangschutz so zu gestalten, dass Sicherheit und Produktivität gleichermaßen unterstützt werden.
Was sollten Arbeitgeber tun, um sicheren Einsatz und korrekte Passform im Arbeitsalltag sicherzustellen?
Lemoine Moncla: Unternehmen sollten verschiedene Modelle und Größen zur Verfügung stellen und den Mitarbeitenden die Möglichkeit geben, unterschiedliche Gurte zu testen. Ein Auffanggurt darf niemals nach dem Prinzip „One fits all“ ausgewählt werden. Ebenso wichtig ist die Schulung im richtigen Anlegen und Einstellen der Ausrüstung. Dabei sollten auch die Bewegungsabläufe und konkreten Arbeitssituationen der Anwender berücksichtigt werden, um das passende Gurtsystem auszuwählen. Darüber hinaus sind regelmäßige Prüfungen der Absturzsicherung unerlässlich – nicht nur hinsichtlich technischer Normen, sondern auch bezüglich Passform, Verschleiß und praktischer Nutzbarkeit. Bei Delta Plus verstehen wir Auffangschutz als ganzheitliches Sicherheitskonzept aus Ausrüstung, Schulung und regelmäßiger Kontrolle.
Wie lässt sich das in der Praxis erfolgreich umsetzen?
Lemoine Moncla: Klare und einfache Routinen sind dabei entscheidend: kurze Sichtprüfungen vor der Nutzung, verständliche Einstellanleitungen und praxisnahe Trainings. Besonders wichtig ist außerdem das Feedback der Anwenderinnen und Anwender. Gerade Frauen haben oft das Gefühl, sich an bestehende Standardlösungen anpassen zu müssen, anstatt aktiv nach einer besseren Lösung zu fragen. Delta Plus unterstützt seine Partner deshalb nicht nur mit Produkten, sondern auch mit technischer Beratung, Schulungen und umfassender Expertise im Bereich Absturzsicherung.
Welche Entwicklungen wünschen Sie sich künftig im Bereich PSA?
Lemoine Moncla: Mehr Vielfalt im Produktdesign – nicht nur für Frauen, sondern generell für unterschiedliche Körperformen. Persönliche Schutzausrüstung sollte sich an den Menschen anpassen und nicht umgekehrt. Die Branche bewegt sich bereits in die richtige Richtung, aber es gibt weiterhin großes Verbesserungspotenzial.
Welche Innovationen erwarten Sie in den kommenden Jahren?
Lemoine Moncla: Ein besonders wichtiger Ansatz ist für mich die Entwicklung von Auffanggurten, die sich schneller und einfacher anpassen lassen. In unserer Forschungs- und Entwicklungsabteilung arbeiten wir bereits an Lösungen, um das Straffen der Gurtbänder zu erleichtern und die Einstellung noch intuitiver zu gestalten. Bei Delta Plus sehen wir es als unsere Verantwortung, Auffangschutzlösungen zu entwickeln, die alle Beschäftigten unterstützen und Unternehmen helfen, eine nachhaltige Sicherheitskultur aufzubauen.
Ihr Fazit in einem Satz?
Lemoine Moncla: „Ein Auffanggurt muss sich an den Körper anpassen – nicht der Körper an den Auffanggurt.“