Nachhaltigkeit ist ein ständig an Wichtigkeit gewinnendes Thema. Viele Hersteller beschäftigen sich daher damit, wie sie möglichst die Umwelt schonen und dennoch weiter qualitativ hochwertige Produkte produzieren. Ein Unternehmen, das sich bereits seit vielen Jahren dem Nachhaltigkeitsgedanken widmet, ist der finnische Schuhhersteller Sievi. Mit Oona Sikkilä hat der Hersteller sogar eigens eine Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanagerin installiert.
Sievi hat nun die Eco Vadis Auszeichnung in Gold erhalten. Zum ersten Mal, Frau Sikkilä?
Oona Sikkilä: Ja, zuvor waren wir mit Silber zertifiziert. Nun haben wir uns ein zweites Mal dem Prüfungsprozess unterzogen und wurden mit Gold ausgezeichnet.
Was fehlt bis zur Platin-Auszeichnung?
Sikkilä: Nicht nur unsere eigene Leistung beeinflusst unsere Bewertung, sondern auch die Leistung anderer Unternehmen in ihren Beurteilungen. Laut Eco Vadis wird der prozentuale Ranking eines Unternehmens zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Scorecard berechnet und erscheint dann auf der Scorecard. Dieser Wert ist ein Vergleich der Leistungen des eigenen Unternehmens mit der Leistung aller bewerteten Unternehmen in der Eco Vadis Datenbank der letzten zwölf Monate. Somit wird dieses prozentuale Ranking unternehmens- und branchenübergreifend berechnet, nicht branchenspezifisch. Dabei gliedert sich die Eco Vadis-Bewertung in vier Themenbereiche: Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik und nachhaltige Beschaffung. Da wir im Bereich Umwelt am besten abgeschnitten haben, konzentrieren wir uns nun auf die Verbesserung unserer Praktiken und die Berichterstattung zu den drei verbleibenden Themenbereichen: Arbeits- und Menschenrechte, Ethik und nachhaltige Beschaffung.
Welche Maßnahmen haben denn jetzt dazu geführt, dass bei der jüngsten Prüfung Gold statt Silber heraussprang?
Sikkilä: Wir haben den Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht und ihn im Rahmen des Auditprozesses verwendet – er ist eines der Dokumente, die wir heranziehen. Ich denke, das war ein wichtiger Teilaspekt. Außerdem mussten wir viele Dokumente aktualisieren. Bei der Prüfung wollen sie natürlich Belege, dass wir alle Maßnahmen, die wir melden, auch tatsächlich umsetzen, sonst werden diese nicht berücksichtigt. Vielleicht umfasste ein Teil der Prüfung tatsächlich nur das. Wir haben so gelernt, eine umfassende Dokumentation zu führen und diese zu aktualisieren sowie alle wichtigen Leistungsindikatoren zu erfassen, die wir dann entsprechend aktualisiert haben.
Was sind nun die nächsten Schritte hinsichtlich der nachhaltigen Aktivitäten von Sievi?
Sikkilä: Wir veröffentlichen einen neuen Nachhaltigkeitsbericht für das Jahr 2025. Früher haben wir immer zwei Jahre in einem Bericht zusammengefasst. Jetzt haben wir beschlossen, dass es viel einfacher ist, wenn wir jedes Jahr einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, da es sich um Informationen handelt, die unsere Kunden jedes Jahr von uns anfordern, und was auch für Eco Vadis gilt. Auch wir verfügen dann über aktuellere Informationen. Wir müssen ohnehin alle wichtigen Leistungsindikatoren haben, daher macht es Sinn, sie auch sofort zu veröffentlichen und später mit weiteren Informationen zu ergänzen. Das ist also eine unserer Maßnahmen. Als wir das letzte Mal einen Bericht veröffentlichten, entsprach dieser dem VSME-Standard, dem freiwilligen Standard für kleinere und mittlere Unternehmen. Wir haben festgestellt, dass dies ein guter Standard ist, den wir prima anwenden können. Das erleichtert die Sache, da auch andere Unternehmen denselben Standard anwenden. Da wir den CSRD-Bericht, der größeren Unternehmen vorbehalten ist, nicht erstellen müssen, möchten wir dennoch einen Rahmen schaffen, der zudem dank der Einhaltung gewisser Rahmenbedingungen auch leserfreundlicher ist.
Gibt es denn konkret geplante neue Schritte für nachhaltiges Handeln?
Sikkilä: Wir haben einen laufenden Prozess zur Emissionsreduzierung. Für Scope 1 und 2 haben wir bereits Emissionsreduktionsziele festgelegt, für Scope 3 noch nicht. Wir beginnen jetzt mit dem Projekt, analysieren und überlegen, wo wir ansetzen können, um neue Ziele festzulegen. Das ist die Arbeit, die wir jetzt beginnen.
Ist denn eine Netto-Null-Produktion erreichbar?
Sikkilä: Bei Scope 1 und 2 halte ich das Erreichen von Null für möglich, aber bei Scope 3 sieht die Sache anders aus. Wir wollen die Emissionen so gering wie möglich halten, deshalb erstellen wir jetzt sozusagen einen Scope 3-Fahrplan. So können wir berechnen und sehen, was aktuell realistisch ist, aber das ist noch im Gange.
Mit recycelten Materialien zu arbeiten trägt auch zur Nachhaltigkeit bei.
Sikkilä: Das ist etwas, was wir selbstverständlich tun. Das ist ein fortlaufender Prozess bei uns, dass wir immer wieder versuchen, neue Recyclingmaterialien und Recyclingmethoden zu finden, insbesondere innerhalb unserer eigenen Produktion. So wollen wir erreichen, dass wir möglichst viel wiederverwenden können und so den Abfall so gering wie möglich halten. Daher arbeiten wir kontinuierlich daran, die Re-cyclingfähigkeit zu verbessern.
Das gesamte Unternehmen lebt also den Nachhaltigkeitsgedanken?
Sikkilä: Wir sind ein Familienunternehmen und denken eher langfristig. Das verbindet man auch mit einem Familien-unternehmen, wenn man an Tradition und Reputation denkt. Insofern ist Nachhaltigkeit also nichts Neues für uns. Wir haben uns schon früher mit diesen Themen auseinandergesetzt. Unser Umweltmanagementsystem haben wir seit 1997. Wir waren der erste europäische Schuhhersteller, der nach der Umweltmanagementsystem-Norm ISO 14001 zertifiziert wurde. Obwohl diese Themen gerade sehr aktuell sind, ist das nichts Neues für uns. Es geht nicht darum, dass wir es nur tun, weil es gerade im Trend liegt, sondern in unserem Familienunternehmen geht es auch darum, was wir unseren Kindern und Enkelkindern hinterlassen.
Herzlichen Dank für das Gespräch.
Mit Oona Sikkilä sprach
Chefredakteur Camillo F. Kluge
Oona Sikkilä
… ist Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanagerin in dem finnischen Familienunternehmen.