• Berufs- und Arbeitskleidung, PSA

Funktionalität über Jahre hinweg erhalten

  • Juli 23, 2026

Nachhaltigkeit ist seit Jahrzehnten Teil der Entwicklung bei Gore Fabrics, einem der drei Geschäftsbereiche des Unternehmens Gore. Zum Unternehmen gehört auch die Marke Gore-Tex. Kerry Summers, Sustainability Integration Champion, nennt als zentrale Handlungsfelder: CO₂Reduktion, Chemikalienmanagement, Kreislaufwirtschaft und menschenrechtliche Sorgfaltspflicht. Im Gespräch mit der Redaktion geht es insbesondere um CO₂Reduktion und Zirkularität.

PSA sollte möglichst lange funktionsfähig im Einsatz bleiben, statt sie durch neue zu ersetzen. // Fotos (3): Gore

Die Mode- und Textilindustrie zählt weltweit zu den ressourcenintensivsten Branchen und zeichnet für etwa zwei bis acht Prozent der alljährlichen globalen CO₂-Emissionen verantwortlich. Entsprechend konzentriert sich Gore Fabrics darauf Fortschritte bei der Reduktion von CO₂-Emissionen zu erzielen, denn diese bedeuten einen Mehrwert für die Kunden. „Denn jedes Mal, wenn wir bei CO₂ einsparen, sparen ja unsere Kunden auch entsprechend CO₂ ein“, sagt Kerry Summers. Somit werden die systematisch reduzierten Klimaauswirkungen der eigenen Aktivitäten und der eigenen Wertschöpfungskette zu einem Mehrwert für die Kunden.

Für die aktuellen Klimaziele im Unternehmen dient bei Gore Fabrics das Jahr 2016 als Basisjahr. Bereits 2019 wurden dann langfristige Ziele definiert. So sollten bis zum Jahr 2030  die Scope 1 und Scope 2 Emissionen um 60 Prozent, die Scope 3 Emissionen um 35 Prozent sinken, sowie eine Reduktion der Gesamtemissionen um 40 Prozent erreicht werden. „Aber in den vergangenen Jahren haben wir insbesondere bei Scope 1 und 2 erhebliche Fortschritte erzielt. Ein wesentlicher Meilenstein war die Umstellung aller unserer Fabrikstandorte auf 100 Prozent erneuerbaren Strom“, sagt Summers. „Dadurch konnten wir unser ursprüngliches Ziel einer Reduktion der Scope 1 und Scope 2 Emissionen um 60 Prozent bereits 2025 erreichen.“ Aufbauend auf diesem Fortschritt wurde das Ziel für 2030 auf 80 Prozent Reduktion nach oben geschraubt.

Verstärkter Einsatz recycelter Textilien
Bei Scope 3 konzentriert sich Gore Fabrics auf Materialumstellungen, zum Beispiel den verstärkten Einsatz recycelter Textilien, sowie auf die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Industrieverbänden, um die Emissionen entlang der Wertschöpfungskette zu reduzieren. „Dabei ist uns ein Aspekt besonders wichtig“, betont Summers, „unsere Emissionen sind gleichzeitig Teil der Scope 3 Bilanz unserer Kunden.“

Auf dem Weg zu einer stärker zirkulären Textilwirtschaft lautet ein wesentliches Ziel, die Rohstoffe möglichst gezielt einzusetzen und Materialien sowie Produkte so lange wie möglich im Nutzungskreislauf zu halten. Seit den späten 2000er Jahren sind recycelte Materialien Bestandteil des Consumer Produktportfolios bei Gore Fabrics. In der Kollektion Herbst-Winter 2026 / Frühling-Sommer 2027 enthalten laut Summers 78 Prozent der Bekleidungslaminate und 35 Prozent der Schuhlaminate recycelte Materialien. Neben dem Einsatz recycelter Materialien gehören Reparatur und Pflege zur Verlängerung der Nutzungsdauer sowie Ansätze, die helfen, Konsumzyklen zu verlangsamen, zu weiteren Bereichen, in denen der Hersteller in enger Abstimmung mit seinen Kunden intensiv arbeitet.

Mit Reparaturlösungen wie Patches lassen sich kleinere und mittlere Schäden in der PSA beheben.

Produkte lange funktionsfähig im Einsatz halten
Ein wichtiger Faktor beim Thema Nachhaltigkeit ist auch bei Gore Fabrics, Produkte möglichst lange funktionsfähig im Einsatz zu halten, statt sie durch neue zu ersetzen. „Unser Anspruch ist, Produkte zunächst möglichst lange funktionsfähig im Einsatz zu halten – durch langlebiges Design, richtige Pflege, Wartung und Reparatur“, sagt Kerry Summers. Das trage dazu bei, Ressourcen effizienter zu nutzen, Abfall zu reduzieren und die mit einer Neuproduktion verbundenen Umweltauswirkungen zu verringern. Dazu gehören Produktdesign, Konstruktion, Materialauswahl, Pflege und vor allem Reparatur. Denn „wenn ein Produkt beschädigt ist, setzen wir zunächst darauf, seine Funktion wiederherzustellen und seine Nutzungsdauer zu verlängern“, sagt sie, „zum Beispiel durch Reparaturlösungen wie Patches, mit denen sich kleinere und mittlere Schäden im Laminat beheben lassen.“

Ein wichtiger Baustein hierfür ist die Beteiligung von Gore Fabrics an einem Forschungsprojekt des Sports Tech Research Center der Mid Sweden University. Gemeinsam mit rund 45 Marken arbeitet das Unternehmen daran, eine einheitliche, praxisnahe Methode zur Bewertung der Langlebigkeit von wasserdichten, winddichten und atmungsaktiven Jacken zu entwickeln.

Gore Fabrics kooperiert in einem Projekt mit der Mid Sweden University, um eine einheitliche, praxisnahe Methode zur Bewertung der Langlebigkeit von wetterfesten Jacken zu entwickeln.

Lebensdauer der Produkte verlängern
„Langlebigkeit kann nur dann sinnvoll in Nachhaltigkeitsstandards, Produktentwicklung und Kaufentscheidungen einfließen, wenn sie messbar und vergleichbar ist“, sagt Summers. Bei dem Projekt werden gebrauchte Produkte aus realer Nutzung analysiert und mit Labortests kombiniert. So lässt sich besser verstehen, wie Jacken tatsächlich altern, welche Faktoren ihre Lebensdauer beeinflussen und wie sich ihre funktionale Leistung über die Zeit bewerten lässt.

„Die bisherigen Erkenntnisse des Projektes zeigen“, fasst Summers zusammen, „dass Konstruktion, Pflege und tatsächliche Nutzung wichtige Einflussfaktoren auf die Lebensdauer sind. Gleichzeitig lässt der optische Zustand eines Produkts oft nur begrenzt Rückschlüsse auf seine tatsächliche Leistungsfähigkeit zu.“ Daher empfiehlt Gore Fabrics im Sinne der Nachhaltigkeit drei einfache Schritte, um die Lebensdauer der Produkte zu verlängern: Waschen, Trocknen und erneutes Aufbringen der wasserabweisenden Ausrüstung (DWR). „Diese Maßnahmen“, so verspricht Summers, „tragen wesentlich dazu bei, die Funktionalität über viele Jahre hinweg zu erhalten.“

Von Camillo F. Kluge

Scope 1-3

1 – Direkte Emissionen:
Alle Emissionen aus Quellen, die sich im direkten Besitz des Unternehmens befinden oder von diesem kontrolliert werden.

2 – Indirekte Emissionen aus Energie:
Emissionen, die durch die Erzeugung eingekaufter und verbrauchter Energie entstehen.

3 – Indirekte Emissionen in der Wertschöpfungskette:
Umfasst alle weiteren indirekten Emissionen, die entlang der vor- und nachgelagerten Lieferkette entstehen und nicht im direkten Einflussbereich des Unternehmens liegen.

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