• Berufs- und Arbeitskleidung, Handschutz, PSA

Gesundheit und Sicherheit im Wandel

  • Mai 28, 2026

Vom unmarkierten Lederhandschuh zum vernetzten Sicherheitskonzept: Ejendals hat in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur Handschuhe und Schuhe weiterentwickelt, sondern die Arbeitssicherheit in Europa maßgeblich geprägt. Heute steht das Unternehmen für Hightech-Materialien, ergonomische Gesamtlösungen und eine klare Vision: Null Verletzungen an Händen und Füßen – nachhaltig, zukunftsorientiert und mit starken Wurzeln in der Tradition.

Was sich im Laufe der Jahrzehnte nicht verändert hat, ist die Sorgfalt, mit der die Materialien ‒ hier von Produktmanager Anders Näs und Designerin Anna Hedvall ‒ für die Handschuhe ausgewählt werden. // Foto: Ejendals

Als Samuel Enqvist 1985 bei Ejendals einstieg, war das Unternehmen ein kleiner Anbieter im Bereich Arbeitsschutz mit rund 6 Millionen Euro Jahresumsatz und etwa 20 Mitarbeitenden – heute erwirtschaftet Ejendals rund 200 Millionen Euro mit etwa 450 Beschäftigten. Enqvist gilt als „Urgestein“ bei Ejendals und quasi als „Chronist“, weil der die Firmenentwicklung seit über 40 Jahren kennt und sein Berufsleben dem Arbeitsschutz verschrieben hat.

„Ich bin ein glücklicher Mensch“, sagt er rückblickend, „dem bereits 1985 die Chance geboten wurde, bei Ejendals zu arbeiten.“ Seine erste Position war die eines Produktmanagers für Schuhe, es folgten Stationen als Vertriebsleiter, Marketingleiter und Vertriebsdirektor.

Damals wurde in den gleichen Räumen kommissioniert und verpackt, die heute als Pausenraum dienen; die Wege waren kurz, der Austausch direkt, die Atmosphäre geprägt von gemeinsamer Kaffeepause an einem Tisch und einem stark verkaufsorientierten Teamgeist. „Schon damals herrschte eine sehr familiäre Atmosphäre“, erinnert sich Enqvist. Alle Mitarbeiter waren sehr engagiert und extrem verkaufsorientiert.“

Diese familiäre, werteorientierte Kultur ist für ihn bis heute eines der Markenzeichen von Ejendals – ebenso wie der Anspruch, Produkte konsequent besser zu machen als der Marktstandard. Bereits in den 1980er-Jahren setzte das Unternehmen auf Materialien höherer Qualität und akzeptierte bewusst etwas höhere Preise, weil Handschuhe und Schuhe länger halten und die Anwender spürbar besser schützen sollten.

Als Handschuhe noch „Verbrauchsmaterial“ waren
In den 1970er- und 1980er-Jahren wurden Arbeitshandschuhe in vielen Betrieben eher als Wegwerfartikel betrachtet – sie unterlagen einem natürlichen Verschleiß und galten nicht als strategischer Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung. Das erschwerte jede Diskussion über höhere Qualitätsstandards oder einen angemessenen Preis, denn Sicherheit und Lebensdauer spielten im Einkauf vielfach nur eine untergeordnete Rolle.

„Arbeitshandschuhe wurden eher als Verbrauchsartikel und weniger als fester Bestandteil des PSA-Sortiments gesehen“, so Enqvist. „Das machte es schwierig, sowohl den Preis als auch das Qualitätsniveau anzuheben.“ 

Hinzu kam: Mehr oder weniger alle Hersteller boten dieselben Modelle an, meist ohne Markennamen und ohne klar erkennbare Herkunft. Für Kunden war es kaum möglich zu unterscheiden, aus welchem Haus ihre Handschuhe stammten – und entsprechend gering war das Bewusstsein dafür, dass Qualität, Passform und Tragekomfort erheblich variieren können. Ejendals ging bewusst einen anderen Weg und forderte von der Fertigung Materialien mit etwas höherer Qualität – mit dem Ziel, Handschuhe und Schuhe zu liefern, die länger halten und angenehmer zu tragen sind.

Ein „Hochzeitshandschuh“ wird zur Ikone
Vor der Einführung des heute legendären Modells 8127 dominierte in vielen Branchen – insbesondere in der Automobilindustrie – der einfache Textilhandschuh oder Fäustling: minderwertige Qualität, schlechte Nähte, miserable Passform und genau zwei Größen („Damen“ und „Herren“). Früh erkannte man bei Ejendals, dass damit weder Präzision noch Komfort oder nachhaltiger Schutz zu erreichen waren, und entwickelte den 8127 als radikalen Gegenentwurf.

Der Handschuh wurde aus einem glatten Material mit Vinylnoppen für sicheren Griff gefertigt, in vier Größen angeboten und zeichnete sich durch eine für damalige Verhältnisse außergewöhnliche Verarbeitung aus. „Wir im Vertriebsteam waren sehr zögerlich und dachten, der Handschuh sähe aus wie ein Hochzeitshandschuh mit einem hohen Preis“, gibt Enqvist schmunzelnd zu. „Aber wir lagen falsch.“ Der Markt strafte die Zweifeler Lügen: Der 8127 wurde zum millionenfach verkauften Bestseller und das Erfolgsmodell schließlich von zahlreichen Wettbewerbern kopiert. Für Enqvist ist der 8127 bis heute mehr als nur ein Produkt: er ist eine Blaupause dafür, wie konsequentes Qualitätsdenken und Mut zur Differenzierung einen ganzen Markt verändern können – und ein Beispiel für das „hervorragende Gespür“, das Ejendals für Produktentwicklung hatte.

Alle Schuhe werden abschließend im Rahmen des Qualitätsmanagements sorgfältig kontrolliert.

Marken, die schützen
Ejendals war in den nordischen Ländern einer der ersten Handschuhhersteller, der seine Produkte konsequent als Marke positionierte – ein wichtiger Schritt weg vom anonymen Verbrauchsmaterial hin zur bewusst gewählten Schutzlösung. Der Name Tegera wurde in einem lateinischen Wörterbuch gefunden und bedeutet sinngemäß „schützen“ oder „sich kümmern“, während Jalas auf die finnische Gemeinde Jalasjärvi verweist, den Standort der Schuhfabrik.

Die Geschichte von Jalas beginnt 1916 im finnischen Dorf Jokipii, wo zunächst eine kleine Gerberei und Schuhfertigung entstand, aus der sich über Jahrzehnte eine Marke mit starkem handwerklichem Erbe entwickelte. Noch heute befinden sich in Jokipii Design, Entwicklung, ein modernes Testlabor und ein Großteil der Produktion, sodass technologische Innovation, Materialkompetenz und Qualitätskontrolle eng verzahnt sind. Jalas Sicherheitsschuhe, -stiefel und -sandalen stehen daher bis heute für hohe Ergonomie, präzise Passform und zuverlässigen Schutz – Eigenschaften, die im Laufe von mehr als hundert Jahren konsequent weiterentwickelt wurden.

Diese Marken stehen heute für umfassende Kollektionen: Tegera für spezialisierte Handschutzlösungen, darunter serielle Innovationen wie die Tegera Pro Reihe oder extrem dünne Schnittschutzhandschuhe, Jalas für Sicherheitsschuhe mit hoher Ergonomie, Dämpfung und präziser Passform. Ein Meilenstein war für Enqvist die Einführung von Tegera Pro im Jahr 2004: „Eine umfangreiche Handschuhserie, die robuster, sicherer und weicher war als alles andere, was damals auf dem Markt erhältlich war.“ Tegera Pro ist bis heute ein zentraler Baustein im Handschuhgeschäft.

Von der Werkbank zur digitalen Fertigung
Die Entwicklung der Produktpalette spiegelt gesellschaftliche und industrielle Veränderungen deutlich wider. Der starke Zuwachs bei „Knit & Dipped“-Handschuhen ist ein Beispiel dafür, wie sich das Sortiment an neue Produktionsprozesse angepasst hat – weg von überwiegend handwerklichen Tätigkeiten hin zu Aufgaben als Maschinenführer oder Anlagenbediener. Gleichzeitig wurden touchscreenfähige Handschuhe etabliert, weil Displays und mobile Endgeräte heute fester Bestandteil vieler Arbeitsplätze sind. „Das enorme Wachstum bei den ,Knit & Dipped’-Handschuhen zeigt sehr gut, wie wir unser Sortiment an neue Produktionsprozesse angepasst haben“, sagt Enqvist. Handschuhe, die früher vor allem vor mechanischen Risiken schützten, müssen heute zusätzlich feinmotorische Arbeiten, digitale Steuerung und häufige Interaktionen mit Bildschirmen ermöglichen – ohne Kompromisse beim Schutz.

Ergothan, Membranen und Hightech-Dämpfung
Als Ejendals Anfang der 1990er-Jahre damit begann, den Vorläufer des heutigen Ergothan-Konzepts – das stoßdämpfende Material Poron XRD – in Jalas-Schuhen einzusetzen, markierte dies einen Wendepunkt in der Produktentwicklung. Viele Anforderungen an Arbeitsschuhe ähneln denen an Sportschuhe, etwa in Bezug auf Dämpfung, Stabilität und Gewichtsverteilung – diese Erkenntnis wurde konsequent genutzt.

Zeitgleich hielt Membrantechnologie Einzug in den Fußschutz: Erste Modelle wurden wasserdicht hergestellt, ohne die Atmungsaktivität zu opfern, später folgten Varianten mit bewährten Systemen wie Gore-Tex. „Bereits in den 1990er Jahren begannen wir, Mem-branen zu verwenden, um einige Modelle von Jalas-Schuhen wasserdicht zu machen, aber gleichzeitig die Feuchtigkeit aus dem Inneren der Schuhe nach außen zu leiten“, beschreibt Enqvist. Arbeitsschuhe wurden damit zu echten Hightech-Produkten, die auch bei langen Schichten und widrigen Bedingungen trockene Füße, ein stabiles Fußklima und eine deutliche Reduktion von Belastungsbeschwerden ermöglichen.

Expansion mit Wertebasis 
2004 begann Ejendals, sich von einem rein schwedischen Anbieter zu einem internationalen Akteur zu entwickeln. Den Auftakt bildete der norwegische Markt, der bereits im ersten Jahr rund 3 Millionen Euro Umsatz beisteuerte, gefolgt von Dänemark, Deutschland, Polen und den Benelux-Ländern. „Auf jeden Fall erinnere ich mich daran“, sagt Enqvist. „Das lag in meiner Verantwortung als Exportmanager, und deshalb bin ich so beeindruckt von unserer heutigen Situation mit Umsatz und Ejendals-Mitarbeitern in mehr als 30 Ländern.“

Die Expansion erfolgte bewusst schrittweise: Mit jedem neuen Markt kamen Vertriebsmitarbeitende vor Ort hinzu, flankiert von mehrsprachigen Kundenservice-Teams im schwedischen Leksand. So wuchs das Unternehmen international, ohne seine familiäre Kultur und die Nähe zum Kunden aufzugeben – ein Ansatz, der auch in Krisenzeiten, etwa während der Pandemie, trug. Wie viele andere Unternehmen war auch Ejendals von Lieferkettenproblemen betroffen. Dank der Unternehmensphilosophie und großer Sicherheitsbestände konnten Kunden dennoch vergleichsweise zuverlässig versorgt werden.

In den Räumen, die heute als Pausenraum dienen, wurde vor rund 40 Jahren noch eifrig kommissioniert und verpackt. // Fotos (3): Ejendals

Sicherheit als Philosophie – nicht nur als Produkt
Die Vision „Null Verletzungen an Händen und Füßen“ ist bei Ejendals nicht allein ein Marketingversprechen, sondern die Klammer für ein ganzheitliches Sicherheitskonzept. Um die Jahrtausendwende begann das Unternehmen, sein Angebot systematisch um Dienstleistungen zu erweitern: Sicherheitsbewertungen beim Kunden, praxisorientierte Schulungen in den Ejendals-Akademien und Beratung zu Produktauswahl, Tragezeit und Wirtschaftlichkeit.

„Das hat sich nach und nach entwickelt“, erklärt Enqvist. „Wir begannen bewusster, ein umfassenderes Dienstleistungspaket anzubieten, das über reine Produkte hinausging.“ Dieser Ansatz verändert auch die Wahrnehmung von Arbeitssicherheit: weg vom „notwendigen Übel“ hin zu einem Ausdruck von Professionalität, Fürsorge und moderner Unternehmenskultur. Für junge Mitarbeitende hat Enqvist einen klaren Rat: Sicherheit ernst nehmen, Verantwortung übernehmen und nicht darauf vertrauen, dass andere schon aufpassen werden.

Langlebigkeit statt Wegwerfmentalität
Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung spielen in der Produktentwicklung heute eine zentrale Rolle. Ejendals verfolgt zwei komplementäre Wege: Einerseits werden Produkte aus nachhaltigen Materialien entwickelt, andererseits setzt das Unternehmen konsequent auf hohe Qualität und Lebensdauer, um den Verbrauch insgesamt zu senken. „Produkte anzubieten, die zur Verringerung des globalen CO2-Fußabdrucks beitragen, steht heute außer Frage“, sagt Enqvist. „Das kann durch nachhaltige Materialien geschehen oder durch Produkte mit langer Lebensdauer.“ Nahezu alle Tegera-Handschuhe und Jalas-Produkte erfüllen anspruchsvolle Standards und sind frei von gesundheitsgefährdenden Stoffen. Hinzu kommt ein klarer Fokus auf Produktnachhaltigkeit, etwa durch recycelte Materialien und ressourcenschonende Fertigung, der in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden soll. Langlebigkeit bleibt dabei ein Kernprinzip – auch als Gegenmodell zur Wegwerfmentalität.

Tradition, Innovation und der Blick nach vorn
Der Einfluss von Persönlichkeiten wie Per-Olof Ejendal auf die Unternehmenskultur ist bis heute spürbar: Innovationsfreude, scharfsinniges Marketing, konsequenter Vertrieb und hohe Lieferpräzision gelten intern als gelebtes Erbe. Der Ursprung dieses Weges liegt im Jahr 1949, als Valfrid Ejendal in Leksand den Grundstein für das Unternehmen legte und den Fokus von Beginn an auf hochwertigen Hand- und Fußschutz setzte. Sein Sohn Per-Olof entwickelte Ejendals später zu einem international sichtbaren Anbieter weiter, trieb Produktinnovationen energisch voran und verband unternehmerischen Mut mit einem klaren Bekenntnis zu Sicherheit und Verantwortung – Eigenschaften, für die er intern wie extern als visionärer Treiber gilt.

Heute setzt die dritte Generation mit Marcus Ejendal als Eigentümer und Verwaltungsratsvorsitzendem diesen Kurs fort, indem sie die Wachstumsstrategie, die internationale Expansion und den Anspruch, einer der führenden Anbieter im Bereich Hand- und Fußschutz zu sein, konsequent weiterverfolgt. „Dass Ejendals bei Produktinnovationen, Marketing, Vertriebsfokus und höchster Lieferpräzision an vorderster Front steht – all das ist ein Erbe von Per-Olof, und wir halten es stets aufrecht und darauf sind wir alle stolz“, sagt Enqvist.

Für die nächsten Jahre sieht er die logische Weiterentwicklung der Arbeitssicherheit in einer noch stärkeren Verzahnung von Technologie, Daten und menschlicher Verantwortung – von neuen Materialien über ergonomische Designs bis hin zu systematischen Sicherheitskonzepten, die Unternehmen ganzheitlich begleiten. Die Geschichte von Ejendals zeigt, wie aus einem Familienunternehmen ein internationaler Anbieter werden kann, der Tradition, Werte und Innovation verbindet – und dabei eine klare Vision verfolgt: „Null Verletzungen an Händen und Füßen“ als gelebte Realität, nicht nur als Zielbild.

Samuel Enquist

… ist seit mehr als 40 Jahren im Unternehmen und hat die Entwicklung vom kleinen Hersteller, der vorrangig in Schweden seine Produkte vertrieb,  zum heutigen globalen Unternehmen hautnah miterlebt und mitgestaltet.

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