• Gehörschutz, PSA

Lärmgefährdung und der richtige Einsatz von Gehörschutz

  • Dezember 18, 2025

Die Aufgaben auf Baustellen sind so vielfältig wie laut. Doch Lärm kann Gehörschäden verursachen. Bereits ein kurzer, aber intensiver Schallimpuls kann zur unmittelbaren Hörschädigung führen. Lärm kann jedoch nicht nur das Gehör irreversibel schädigen, sondern auch weitere gesundheitliche Probleme wie erhöhten Blutdruck, Stress und Schlafstörungen und damit das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Hans-Jürgen Wellnhofer, kommissarischer Leiter der Hauptabteilung Prävention der BG BAU, erläutert, wie dem vorzubeugen ist.

Eine Person setzt sich Otoplastiken ein. // Fotos (2): Jan-Peter Schulz / BG BAU

Aufhorchen lassen sollte, dass Schäden am Gehör unumkehrbar sind. Und Lärmschwerhörigkeit ist ein Dauerthema: Die Zahl der Betroffenen aus dem Jahr 2024 ist im Vergleich zum Jahr 2023 erneut gestiegen. Mit über 4.900 Verdachtsanzeigen war Lärmschwerhörigkeit 2024 wiederholt die häufigste gemeldete Berufskrankheit am Bau und in den baunahen Dienstleistungen.

Die gute Nachricht ist: Ein wirksamer Schutz gegen Lärm ist ganz einfach machbar – auch und gerade am Bau und in den baunahen Dienstleistungen.

Mit dem TOP-Prinzip gegen Lärm
Leisere Maschinen oder lärmmindernde Arbeitsmethoden können helfen, die Lärmemissionen langfristig zu senken und damit einer Lärmschwerhörigkeit vorzubeugen. Ein Beispiel hierfür sind geräuschgeminderte Sägeblätter für Kreissägen. Wenn solche technischen Lösungen nicht machbar sind, müssen organisatorische Maßnahmen ergriffen werden, wie zum Beispiel kürzere Aufenthaltszeiten im Lärmbereich.

Lassen sich Lärmquellen weder durch technische noch durch organisatorische Maßnahmen beseitigen beziehungsweise ausreichend abmildern, muss ein persönlicher Gehörschutz eingesetzt werden. Ab einem durchschnittlichen Lärmpegel von 80 Dezibel pro Tag sind Arbeitgeber verpflichtet, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen. Dazu gehören Gehörschutzstöpsel, Kapselgehörschützer oder maßgefertigte Otoplastiken. Eine Tragepflicht für den Gehörschutz besteht ab 85 Dezibel. Otoplastiken fördert die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) im Rahmen ihrer Arbeitsschutzprämien.

Wichtig: Nicht nur Personen, die direkt mit lärmerzeugenden Geräten arbeiten, müssen geschützt werden. Auch alle, die sich in der Nähe der Lärmquelle aufhalten, sind potenziell gefährdet und müssen geeigneten Gehörschutz tragen.

Auch wenn höhere Schallpegel nur kurzfristig, aber regelmäßig einwirken, besteht eine Gefährdung. Zum Beispiel entspricht die Gehörgefährdung bei 95 dB(A) über ca. 45 Minuten derjenigen bei 85 dB(A) über eine ganze Arbeitsschicht. Damit sind auch Personengruppen gefährdet, die sich „nur kurz“ im Lärmbereich aufhalten.

Lärmmessung an einer Baumaschine.

Ab zum Arzt – am besten vorbeugend
Wer an seinem Arbeitsplatz einem Tages-Lärmexpositionspegel von 85 dB(A) und mehr ausgesetzt ist, muss regelmäßig an einer arbeitsmedizinischen Vorsorge teilnehmen. Der Arzt oder die Ärztin berät dabei zur Lärmgefährdung und richtigen Benutzung von Gehörschutz. Jedoch haben Beschäftigte schon oberhalb eines Tages-Lärmexpositionspegels von 80 dB(A) am Arbeitsplatz das Recht, an einer arbeitsmedizinischen Vorsorge teilzunehmen.

Passender Gehörschutz
Es gibt unterschiedliche Arten von Gehörschützern. So sind Gehörschutzstöpsel besonders für Arbeitsplätze mit andauernder Lärmeinwirkung, bei zu starker Schweißbildung unter Kapselgehörschützern, bei gleichzeitigem Tragen von Brille, Schweißschild, Schutzschild usw. geeignet. Vorteile sind hier ein hoher Tragekomfort und gutes Richtungshören.

Kapselgehörschützer sollen das Mittel der Wahl sein, wenn häufiges Auf- und Absetzen des Gehörschutzes erforderlich ist, zum Beispiel bei nur kurzzeitig auftretendem Lärm, wenn Gehörschutzstöpsel nicht vertragen werden und zum Beispiel die Gehörganghaut reizen. Bei Kapselgehörschützern ist ein leichtes Auf- und Absetzen möglich und es gibt viele Varianten der elektronischen Zusatzausrüstung.

Otoplastiken schließlich werden nach Abdruck des Gehörganges individuell gefertigt. Ein großer Vorteil sind daher ein geringes Fremdkörpergefühl und ein einfaches Einsetzen.

Es gibt keine vernünftigen Gegenargumente
Viele befürchten, mit Gehörschutz nichts oder nicht mehr richtig zu hören. Mit Gehörschutz hört man selbstverständlich alles leiser und etwas anders, aber daran kann man sich gewöhnen. Moderner, aktiver Gehörschutz lässt aber beispielsweise ein sehr gutes Sprachverstehen zu.

Und natürlich kann und muss man sich an den Gehörschutz gewöhnen. Wenn das nicht gelingen will, ist meist ein falsch ausgewählter Gehörschutz Schuld. Hier können Trageversuche mit anderen Gehörschutzarten helfen.

Entzündungen im Gehörgang werden vermieden, wenn Gehörschützer sauber sind. Vor allem wenn sie im Ohr getragen werden. Deshalb sollte man zum Beispiel Gehörschutzstöpsel nur mit sauberen Fingern einsetzen oder herausnehmen. Muss man öfter den Gehörschutz herausnehmen und wieder einsetzen oder hat man es mit Schmutz oder aggressiven Stoffen zu tun, eignen sich besonders Gehörschützer mit Bügeln oder Kordeln und Kapselgehörschützer.

Nicht zuletzt macht die korrekte Benutzung viel aus. Besonders Gehörschutzstöpsel müssen sehr sorgfältig eingesetzt werden. Vor Gebrauch zu formende Stöpsel müssen möglichst dünn gerollt, weit in den Gehörgang eingesetzt und so lange im Ohr fixiert werden, bis sie sich vollständig ausgedehnt haben.

ZUR PERSON

Dipl.-Ing. Univ. Hans-Jürgen Wellnhofer ist im Bereich Prävention bei der BG BAU im Einsatz.
// Foto: Bernd Lammel (bundesfoto GbR) / BG BAU


Noise-Cancelling nicht für den Bau
Gut zu wissen: Musikkopfhörer mit Active-Noise-Cancelling-Funktion (ANC) sind als Gehörschutz auf Baustellen nicht geeignet, denn sie blenden lediglich gleichmäßige niederfrequente Störgeräusche aus. Auf Baustellen hingegen treten häufig plötzliche und hochfrequente oder sehr laute Geräusche auf, zum Beispiel durch Hämmern, Sägen oder Bohren. Derartige Geräusche können durch die ANC-Technologie nicht wirksam unterdrückt werden.

Welcher Gehörschutz für welche Tätigkeit geeignet ist, zeigt die BG BAU auf ihrer Website. Zusätzlich gibt es weitere Informationen auf der Themenseite der BG BAU zur Lärmprävention.

GEHÖRSCHUTZ IST WICHTIG, WEIL …

  • er eine Lärmschwerhörigkeit verhindern hilft.
  • eine Lärmschwerhörigkeit über lange Zeit und oft unbemerkt entsteht.
  • durch „Gewöhnung“ die Gefahr durch Lärm unterschätzt wird.
  • eine Lärmschwerhörigkeit nicht wehtut.
  • Lärmschwerhörige schließlich nicht mehr richtig hören und sich dann
    nur noch schwierig an Gesprächen beteiligen können.
  • Anweisungen im Betrieb nicht mehr richtig gehört und falsch verstanden werden können.
  • akustische Warnsignale im Betrieb oder im Straßenverkehr nicht mehr
    wahrgenommen werden.
  • Lärmschwerhörigkeit unheilbar ist!
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