• PSA, Sicherheitsschuhe

»Wir haben den Anspruch, Vorreiter zu sein!«

  • Oktober 16, 2025

Zum wiederholten Mal wurde Elten mit der Platinmedaille von Eco Vadis ausgezeichnet – ein starkes Zeichen für das konsequente Engagement des Unternehmens in den Bereichen Umwelt, Ethik, Arbeits- und Menschenrechte sowie nachhaltige Beschaffung. Doch was steckt hinter dieser Bewertung? Und wie gelingt es, Nachhaltigkeit nicht nur als Ziel, sondern als festen Bestandteil unternehmerischen Handelns zu verankern – gerade in einer Branche, in der Sicherheit und Funktionalität im Vordergrund stehen?

„Enno XXT Pro Mid ESD S3S“ überzeugt neben seines hohen Recyclinganteils mit guter Dämpfung. // Fotos (2): Elten

Im Interview spricht Maret König, Nachhaltigkeitsmanagerin von Elten, über konkrete Maßnahmen in der Produktion, Herausforderungen in der Produktentwicklung und darüber, warum Nachhaltigkeit in dem niederrheinischen Familienunternehmen weit über die Werkshallen hinausgeht.

Elten wurde erneut mit der Platinmedaille von Eco Vadis ausgezeichnet – was bedeutet diese Bewertung für Sie persönlich und für das Unternehmen?
Maret König: Die erneute Platin-Auszeichnung durch Eco Vadis ist für uns eine große Bestätigung – und gleichzeitig ein Ansporn. Sie zeigt, dass unser Engagement in den Bereichen Umwelt, Ethik, Arbeits- und Menschenrechte sowie nachhaltige Beschaffung nicht nur intern gelebt, sondern auch von unabhängiger Stelle als vorbildlich bewertet wird. Besonders freuen wir uns darüber, damit zu den besten 1 Prozent der im vergangenen Jahr bewerteten Unternehmen zu gehören.

Was genau bewertet Eco Vadis – und wie gelingt es Elten, in allen Bereichen so gut abzuschneiden?
König: Eco Vadis bewertet auf Basis dokumentierter Nachweise vier zentrale Bereiche: Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik und nachhaltige Beschaffung. Unser Erfolg liegt darin, dass wir zum einen nachhaltige Entwicklung als einen kontinuierlichen Prozess verstehen, der immer wieder neue Lösungen und Anpassungen verlangt. Zum anderen betrachten wir Nachhaltigkeit nicht als isoliertes Projekt, sondern als festen Bestandteil unserer Unternehmensstrategie. Im Rahmen unserer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie „Elten Loop“ setzen wir gezielt Maßnahmen in den Bereichen Umwelt, Gesellschaft, Unternehmenspolitik und Produktqualität um. Dabei berücksichtigen wir nicht nur das eigene Unternehmen, sondern auch die vor- und nachgelagerte Wertschöpfung.

Können Sie ein Beispiel nennen, wie sich dieser Nachhaltigkeitsansatz konkret in der Produktion zeigt?
König: Ein gutes Beispiel ist unsere ressourcenschonende Produktion am Standort Uedem. Dort setzen wir auf besonders langlebige und effiziente Maschinen des Weltmarktführers Desma. Diese Maschinen sind nicht nur technisch auf dem neuesten Stand, sondern arbeiten auch besonders energie- und materialeffizient – was für uns ein entscheidender Faktor ist. Ein Großteil unserer Laufsohlen wird direkt angespritzt statt geklebt – damit arbeiten wir sehr präzise, gehen sparsam mit eingesetzten Materialien um und reduzieren den Einsatz von Klebstoffen. Und wenn Klebstoffe doch nötig sind, verwenden wir fast ausschließlich umweltfreundliche Varianten, wie Schmelzklebstoffe oder Kleber auf Wasserbasis. Darüber hinaus achten wir darauf, dass möglichst wenig Produktionsreste entstehen. Verschnitte werden direkt wieder dem Produktionsprozess zugeführt, übrige Mengen geben wir an Partner weiter, die diese Materialien sinnvoll weiterverarbeiten. So schaffen wir es, Ressourcen effizient zu nutzen und Abfall deutlich zu reduzieren.

Maret König ist die Nachhaltigkeits- managerin in dem Familienunternehmen vom Niederrhein.

Wie genau verarbeiten Sie Materialreste?
König: Wir haben verschiedene Ansätze entwickelt, um Materialreste nicht einfach zu entsorgen, sondern sie gezielt wieder in den Produktionskreislauf einzubringen. Ein Beispiel ist das TPU-Rezyklat, das wir aus unseren eigenen Produktionsresten gewinnen und bei bestimmten Modellen direkt wieder in die Laufsohle integrieren. Das ist nicht nur ressourcenschonend, sondern auch technisch anspruchsvoll. Zusätzlich führen wir PU-Produktionsreste als Feststoffzudosierung bei einigen Modellen wieder der Zwischensohle zu. Diese Verfahren zeigen, wie konsequent wir daran arbeiten, Kreisläufe zu schließen und Materialien möglichst vollständig zu nutzen. Es geht uns dabei nicht nur um Effizienz, sondern auch um Verantwortung gegenüber Umwelt und Ressourcen.

Weitere Themen sind Energieeffizienz und der Einsatz erneuerbarer Energien – was macht Elten hier konkret?
König: Energieeffizienz ist für uns ein zentrales Thema – wir investieren deshalb kontinuierlich in moderne Maschinen und Prozesse, die uns helfen, Energie zu sparen und die Effizienz unserer Produktion zu erhöhen. In unserer Produktion nutzen wir Wärmetauscher, um die entstehende Abwärme sinnvoll weiterzuverwenden – zum Beispiel für die Beheizung unserer Gebäude. So konnten wir unseren Gasverbrauch erheblich senken. Wir beziehen Ökostrom und decken darüber hinaus einen großen Teil unseres Energiebedarfs durch selbst erzeugten Strom aus unserer eigenen Photovoltaikanlage. Die Anlage hat eine Leistung von 938 kWp und versorgt unsere Logistik- und Fertigungsgebäude. Seit 2015 bilanzieren wir unsere Emissionen jährlich nach dem international anerkannten Greenhouse Gas Protocol. Diese systematische Erfassung hilft uns, unseren Corporate Carbon Footprint gezielt zu senken. So lag unser CO2e-Verbrauch nach Scope 1 und Scope 2 im Jahr 2017 noch bei 1.493 Tonnen im Jahr, 2024 waren es nur noch 412 Tonnen CO2e.

SCOPE

Scope 1
… umfasst alle direkten Treibhausgas-Emissionen, zum Beispiel Erdgas oder Benzin.

Scope 2
… umfasst die indirekten Treibhausgas-Emissionen, die aus der Erzeugung der beschafften Energie resultieren wie zum Beispiel Strom, Fernwärme oder Kühlungsenergie.

Scope 3
… umfasst sonstige indirekte Treibhausgas-Emissionen, die schwerpunktmäßig mit der Unternehmenstätigkeiten verbunden sind. Zu den CO2-Emissionen in Scope 3 zählen zum Beispiel der Verbrauch von Energie in vermieteten Immobilien, weiter der Bezug von Waren und Dienstleistungen, die Müllentsorgung, Wasser und Abwasser.

Welche Rolle spielen externe Zertifizierungen wie ISO 14001 für Ihre Nachhaltigkeitsstrategie?
König: Wir setzen auf ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 und engagieren uns aktiv für Energieeinsparung und Klimaschutz. Die Zertifizierung hilft uns, unsere Umweltleistung systematisch zu verbessern und unsere Prozesse kontinuierlich zu optimieren.

Wie gelingt es, Nachhaltigkeit auch in der Produktentwicklung mitzudenken – gerade bei einem sicherheitsrelevanten Produkt wie Arbeitsschuhen?
König: Das ist eine besondere Herausforderung, denn bei Sicherheitsschuhen steht der Schutz der Träger natürlich immer an erster Stelle. Unsere Produkte müssen strenge Normen erfüllen und zuverlässig funktionieren – da gibt es keine Kompromisse. Gleichzeitig wollen wir auch hier nachhaltige Lösungen finden. Das bedeutet für uns, bei jedem neuen Modell genau zu prüfen, welche Materialien eingesetzt werden können, die sowohl funktional als auch umweltschonend sind. Dabei geht es nicht darum, ein Material grundsätzlich als „besser“ zu bewerten – sondern darum, für den jeweiligen Einsatzbereich die beste Kombination aus Sicherheit, Komfort und Nachhaltigkeit zu finden.

Gibt es bei Elten Schuhmodelle, die besonders nachhaltig sind?
König: Mir ist es wichtig zu betonen, dass wir bei all unseren Produkten Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen. Mit unserer eigenen Produktion in Deutschland setzen wir auf eine umwelt- und ressourcenschonende Fertigung. Gleichzeitig pflegen wir eine enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten und stärken bei ihnen in Zusammenarbeit mit amfori BSCI (ein Programm des wirtschaftsnahen Verbandes amfori zur Verbesserung der sozialen Standards in einer weltweiten Wertschöpfungskette/Anm. d. Redaktion) die Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechten. Wir setzen grundsätzlich und modellübergreifend Senkel, durchtrittshemmende Sohlen, Einlegesohlen, Hinterkappen, Innenfutter und weitere Bestandteile mit Anteilen aus Recycling-Materialien ein. Bei einigen Modellen haben wir es geschafft, den Recycling-Anteil im gesamten Schuh besonders hoch zu gestalten. Dazu gehören die Modelle „Enno XXT Pro Mid ESD S3S“, „Luan Grey-Red Low ESD S1PS”, „Luan Black Low ESD S3S” und „Luana Grey-Turquoise Low ESD S1”. Diese Modelle zeigen, wie weit wir bereits gekommen sind – und gleichzeitig arbeiten wir kontinuierlich an neuen Entwicklungen, um den Anteil nachhaltiger Materialien weiter zu erhöhen.

Bereits zum zweiten Mal hat der Arbeitsschuhhersteller die Platinum-Auszeichnung durch Eco Vadis erhalten. Die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Logistik- und Fertigungsgebäudes in Uedem hat eine Gesamtleistung von 938 kWp. // Fotos (3): Elten

Welche Rolle spielt der Einsatz von Leder in den Schuhen?
König: Leder ist ein Material mit vielen positiven Eigenschaften: Es ist strapazierfähig, langlebig und bietet eine hervorragende Kombination aus Schutz, Komfort und Atmungsaktivität. Gerade bei Sicherheitsschuhen erfüllt es wichtige funktionale Anforderungen, die mit synthetischen Alternativen nicht immer in gleicher Weise erreicht werden können. In einigen Bereichen ist der Einsatz von Leder im Schuh sogar aus sicherheits- und funktionsrelevanten Gründen unumgänglich. Was viele nicht wissen: Leder ist in der Regel ein Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie. Das heißt, es fällt ohnehin an – und wenn es nicht genutzt wird, muss es entsorgt werden. In diesem Zusammenhang kann Leder, sofern es umweltfreundlich verarbeitet wird, sogar nachhaltiger sein als einige synthetische Alternativen. Um eine verantwortungsvolle Lederherstellung zu unterstützen, ist Elten Mitglied der Leather Working Group (LWG). Dabei setzen wir uns für Verbesserungen in der globalen Lederlieferkette und Minimierung der Umweltauswirkung in der Lederproduktion ein. 2024 haben wir bereits über 95 Prozent unseres Leders von Gerbereien bezogen, die nach dem LWG-Standard auditiert wurden – das betrifft nahezu unsere gesamte Lederschuh-Kollektion. Gleichzeitig hinterfragen wir auch den Einsatz tierischer Materialien kritisch. Deshalb prüfen wir, wann wir komplett auf Bestandteile tierischen Ursprungs verzichten können. Einige unserer Modelle sind komplett vegan, wir bieten sie unter dem Label „100 %-Vegan“ an.

Wie wird Nachhaltigkeit bei Elten intern gelebt – über die Produktion hinaus?
König: Nachhaltigkeit ist Teil unserer Unternehmenskultur – und das schon länger, als verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln so betitelt wurde. Werte wie Vielfalt, Gleichberechtigung und ein respektvoller Umgang miteinander sind bei Elten fest verankert. Wir sind ein Familienunternehmen mit über 115 Jahren Geschichte, und diesen Geist spürt man bis heute – im täglichen Miteinander, in der Zusammenarbeit im Team und im Umgang mit unseren Partnern. Mittlerweile sind wir über 400 Mitarbeiter, die gemeinsam daran arbeiten, unsere Werte mit Leben zu füllen. Unsere CSR-Richtlinie ist dabei kein abstraktes Dokument, sondern ein gelebter Leitfaden, der uns Orientierung gibt und unser Handeln prägt. Nachhaltigkeit bedeutet für uns auch, Verantwortung für unsere Mitarbeiter zu übernehmen – durch faire Arbeitsbedingungen, Weiterbildungsmöglichkeiten und eine offene Unternehmenskultur.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen – und Chancen – für nachhaltiges Wirtschaften in Ihrer Branche?
König: Eine große Herausforderung ist die Balance zwischen Sicherheit, Komfort und Nachhaltigkeit – gerade bei zertifizierten Produkten. Gleichzeitig sehen wir hier auch enormes Potenzial: Wer es schafft, diese Anforderungen zu vereinen, kann echte Maßstäbe setzen. Auch wenn nach wie vor der Preis das stärkste Kaufargument ist, haben wir den Anspruch, Vorreiter in diesem Bereich zu sein und die Entwicklung aktiv mitzugestalten – mit Innovation, Transparenz und einem klaren Wertekompass.

Das Damenmodell „Luana Grey-Turquoise Low ESD S1” gehört zu den Sicherheitsschuhen des Herstellers mit besonders hohem Recyclinganteil.

Und zum Schluss: Was wünschen Sie sich für die Zukunft – für Elten und für die Branche insgesamt?
König: Ich wünsche mir, dass Nachhaltigkeit noch stärker als integraler Bestandteil unternehmerischen Handelns gesehen wird. Dabei befürworte ich pragmatische und praxisnahe Ansätze, die auch weitere Parameter eines wirtschaftenden Unternehmens berücksichtigen. Es gibt viele Ansätze mit unterschiedlichen Schwerpunkten und individuellen Lösungsansätzen. Jedes Unternehmen sollte für sich den passenden finden und gleichzeitig gemeinsam mit der Branche voranschreiten. Für Elten bedeutet das, unseren Weg konsequent weiterzugehen, neue Impulse aufzunehmen und gemeinsam mit unseren Mitarbeitern, Partnern und Kunden kontinuierlich besser zu werden.

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