Bei der Herstellung von Flugzeug-Außenhäuten ist hohe Präzision gefragt: Sechs bis acht Millimeter starke Aluminiumbleche mit einer Grundfläche von bis zu zwei Mal drei Metern werden per Rundwalze in Form gebracht. Dabei ist die Herausforderung, die Walze so zu be- und entladen, dass die Bleche unbeschädigt bleiben. Vakuum-Schlauchheber von Timmer unterstützen die Mitarbeiter bei der präzisen Bearbeitung.
Das Unternehmen Lo-Cat Systems verarbeitet Aluminiumteile unter anderem für das Luft- und Raumfahrtunternehmen Airbus und nutzt für die Bestückung ihrer Rundwalze den Vakuum-Schlauchheber heavy Lift von Timmer. Das Unternehmen verarbeitet so bis zu 100 Bleche am Tag, denn ein einzelner Mitarbeiter kann die bis zu 60 Kilogramm schweren Bauteile mühelos und präzise in die Maschine führen. Durch die Reduzierung des manuellen Aufwands entsteht ein ergonomischer und sicherer Arbeitsplatz.
Das Unternehmen Lo-Cat Systems hat sich von einem Werkzeug- und Stanzspezialisten zu einem Hersteller hochpräziser Flugzeugbauteile entwickelt: Seit 2010 fertigt das Unternehmen in Schönau im Schwarzwald Außenhäute für Flugzeuge. Das bedeutet konkret: Aluminiumbleche werden gefräst, ihre exakten Umrisse zugeschnitten, Pockets (Aussparungen) angelegt und Erleichterungsfelder zur Gewichtsreduzierung geschaffen.
Bleche unkompliziert in die Walze laden
Dabei wird Lo-Cat Systems mit zwei unterschiedlichen Bauteilen beliefert: Streckgezogene Bleche, die das Unternehmen bereits fertig geformt erreichen, und Flachbauteile, die vor der Weiterverarbeitung gerundet werden müssen. Dafür nutzt Lo-Cat Systems eine Rundwalze. Für die Bestückung der Walze verwendet das Unternehmen den Vakuum-Schlauchheber heavy Lift von Timmer: Mittels vier Balgsaugern, die kardanisch an der Saugtraverse aufgehängt sind, können die Bleche unkompliziert in die Walze geladen und herausgenommen werden.
Bis Anfang 2024 erfolgte dieser Prozess händisch: „Bevor wir den heavy Lift im Einsatz hatten, brauchte es immer zwei Mitarbeitende, die die Bleche gemeinsam von der Palette in die Walze gehoben und anschließend wieder entnommen haben“, sagt Thomas Becherer, Fertigungsleiter bei Lo-Cat Systems, und ergänzt: „Das brachte gewisse Risiken in Sachen Arbeitssicherheit mit sich: Die Bleche sind scharfkantig, die Paletten wurden zu Stolperfallen und es mussten Lasten von bis zu 60 Kilogramm aus eigener Kraft gehoben werden.“
Risiko der Verformung entfällt
Gleichzeitig bestand das Risiko, dass sich die dünnen Bleche mit einer Stärke von sechs bis acht Millimetern durch das händische Anheben verformen. Um diesen Vorgang zu automatisieren, setzte das Unternehmen zunächst eine Vakuumhebeanlage mit Portalkran und elektrischem Seilzug ein. „Diese Anlage durften nur Mitarbeitende bedienen, die einen Kranführerschein besitzen. Zudem war die Handhabung ineffizient: Das System konnte in jeder der drei Achsen nur einzeln gesteuert werden“, berichtet Becherer. Dazu kommt, dass Bremsbewegungen die Last ins Schwingen brachten. Die Bedienung war wenig kontrolliert.
Das Unternehmen machte sich daher auf die Suche nach einer effizienten Lösung, die präzise und gleichzeitig ohne Kranführerschein bedient werden kann. „Bei einem Kranlehrgang der Berufsgenossenschaft haben wir festgestellt, dass Systeme, bei denen das Bedienelement direkt am Lasthebemittel angebracht ist und die Last nicht höher als 1,60 Meter gehoben wird, nicht als Kran gelten“, sagt Becherer. So wurde Lo-Cat Systems auf die Vakuumhebeanlagen von Timmer aufmerksam: „Wir haben bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet: Beispielsweise ist in unseren Werkzeugen zur Bearbeitung von Fahrzeug-Außenhautteilen Pneumatik-Zubehör von Timmer verbaut“, so Becherer. Aufgrund der hohen Zufriedenheit mit den Produkten und dem Service entschied sich Lo-Cat für einen Schlauchheber von Timmer.
Seit Februar 2024 nutzt Lo-Cat Systems zum Heben der Aluminiumbleche den heavy Lift. Das Hebesystem ist mit einer größenverstellbaren Saugtraverse ausgestattet, die einfach und schnell auf die Maße der Bleche angepasst werden kann. Manuel Gruber, Vertriebstechniker bei Timmer, erklärt: „So kann Lo-Cat unkompliziert Bauteile verschiedener Größen bewegen.“ Eine weitere kundenspezifische Anforderung hat Timmer durch die Anbringung vier kardanisch aufgehängter Balgsauger erfüllt: „Damit Lo-Cat die Flugzeugteile direkt aus der Rundwalze entnehmen kann, sind die Balgsauger nach unten verlängert“, so Gruber. Sowohl flache als auch gewölbte Bleche können so angehoben werden. Die Be- und Entladung der Rundwalze vor und nach dem Wölbungsvorgang erfolgt mit ein und demselben System, ohne, dass etwas umgestellt werden müsste.
Personalaufwand reduziert
Seitdem verlaufen die Prozesse deutlich effizienter: Durch den heavy Lift konnte Lo-Cat Systems seinen Personalaufwand in diesem Fertigungsschritt reduzieren. Ein Mitarbeiter reicht aus, um die Bleche mit einem Gewicht zwischen zehn und 60 Kilogramm zu formen. In Zeiten hohen Auftragsaufkommens werden etwa 100 Bleche am Tag in die Walze transportiert. Dank dem variablen Bediengriff des heavy Lift sowie der Anbringung am Säulenschwenkkran mit einstellbarem Winkelbegrenzer gelingt dies überaus präzise.
Zusätzlich entfällt ein Risiko, das bei den vorherigen manuellen Prozessen bestand: Das Anheben der Flugzeugteile mit Schnittschutzhandschuhen birgt stets die Gefahr, dass diese abrutschen und die Bleche beschädigt werden. Gerhard Walleser ist in der Qualitätssicherung bei Lo-Cat Systems tätig und arbeitet regelmäßig mit dem Hebesystem: „Die Aluminiumbeschichtung der Flugzeugteile ist hochempfindlich. Wichtig ist also, dass die Bleche sanft angehoben und genau positioniert werden, ohne anzuschlagen.“
Sicherheit am Arbeitsplatz hat sich erhöht
Ein großer Vorteil sei, dass sich mit dem Vakuum-Schlauchheber die Bewegungsstrecken und -geschwindigkeiten genau kontrollieren ließen. Auch die Sicherheit am Arbeitsplatz hat sich erhöht: Das Heben erfolgt ergonomisch und ohne körperliche Anstrengung. Die intuitive Bedienung des Hebesystems, das nur weniger Bedienelemente bedarf, ermöglicht zudem eine schnelle Einarbeitung neuer Mitarbeitender. „Meine anfängliche Skepsis hat sich schnell gelegt: Die Handhabung ist sicher, präzise und macht einfach Spaß. Mit nur einem Finger kann ich bestimmen, wo und auf welcher Höhe ich die Flugzeug-Außenhäute ablege, und dank des Schnelllöseventils ist das Absetzen schnell und einfach“, berichtet Walleser.
Thomas Becherer ist zudem von der Servicequalität des Neuenkirchener Premiumherstellers überzeugt: „Wir haben uns bei Timmer von Anfang an gut beraten gefühlt, von der Projektplanung über die Installation bis hin zur Einweisung und Inbetriebnahme“, sagt er. Anliegen würden stets schnell und kurzfristig bearbeitet. Einmal jährlich führt Timmer vor Ort in Schönau die UVV (Unfallverhütungsvorschrift)-Prüfung durch, darüber hinaus gebe es kaum Wartungsaufwand: „Unser Betreuungsaufwand für die Anlage geht gegen null“, so Becherer.